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Berlin 19:23 - Tehran 20:53 - Los Angeles 10:23 Freitag, 12.03.2010
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DAS ALTPERSICHE WELTKULTURERBE IST GEFäHRDET
Pasargard unter Wasser?
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Das Grab von Cyros dem Großen in Pasargard
Im Iran ist ein Weltkulturerbe in Gefahr: Das Cyros -Grab in Pasargard könnte durch ein Staudammprojekt zerstört werden. Hier hat das Welterbe-Komitee der UNESCO bislang nicht widersprochen. Und so werden die Pläne wohl umgesetzt werden. Immerhin haben die iranische Antikenbehörden nun Archäologen aus aller Welt gerufen, um in der Umgebung von Pasargard wertvolle Zeugnisse zu retten.

Wird das Grab von Cyros dem Großen oder Kyrosh, wie die Iraner sagen, in den Fluten eines Stausees versinken? Glaubt man den Internetseiten exil-iranischer Gruppen, steht die Zerstörung dieses rund 2500 Jahre alten königlichen Totenhauses, das einsam auf der weiten Hochebene von Mughrab steht, kurz bevor.

Im Herbst soll die Gegend überschwemmt werden, dann, so der Verdacht der Exilanten, wären die Mullahs ihrem Ziel näher gekommen, das präislamische Erbe verschwinden zu lassen. Doch das 14 Meter hohe Steinhaus ist Weltkulturerbe und die Flutung ist mit der Unesco abgesprochen. Sie wird das Grab nicht berühren, die Stauhöhe liegt 20 Meter unterhalb seines Niveaus.

"Ich, Kyrosh, der König, ein Achämenide, habe dies gebaut". Selbstbewusst hatte der Herrscher die Zeilen in einen Stein der Audienzhalle hauen lassen. Doch von Pasargard, der ersten Kapitale des persischen Weltreichs, ist außer dem Totenhaus nicht mehr viel zu sehen, nur einige Fundamente, Säulen und Torfassungen wurden in den letzten Jahren ans Licht geholt. Doch seit kurzem graben viele Archäologen in der Gegend. Durch das künftige Flutungsgebiet des Sivandstausees führte einst der alte Königsweg, die Hauptverkehrsader von Pasargard nach Persepolis, der jüngeren, von König Darius erbauten Residenz.

Die iranische Antikenbehörde vermutete, dass entlang des Wegs noch viele antike Zeugnisse zu finden sind, und weil die Suche unter Zeitdruck die eigenen Kräfte übertrifft, rief sie Archäologen aus aller Welt, hier Notgrabungen durchzuführen.

Allein dieser Aufruf war, so Barbara Helwing vom Deutschen Archäologischen Institut und zusammen mit ihrem iranischen Kollegen Grabungsleiterin vor Ort, ein Ereignis. Es war das erste Mal seit der islamischen Revolution von 1979, dass ausländische Forscher ins Land geholt wurden. Beteiligt sind ein italienisches, polnisches, japanisches, französisches Team und zwei deutsche Gruppen. Seit zwei Jahren wird nun gegraben, bislang wurden keine Sensationen ans Licht geholt, aber viele informative Details. Wie entwickelt sich eine Landschaft in der Zeit? Die Archäologen nahmen eine diachrone Untersuchung, vor - "für die Wissenschaft eine Riesenchance", wie Barbara Helwing sagt. Die Deutschen haben sich auf die Epoche des 5. und 4. Jahrtausend vor Christus konzentriert, die Japaner auf die späte Altsteinzeit, die Italiener auf die Ära zwischen Achämeniden- und Sassanidenherrschaft, so dass sich ein ziemlich klares Bild der regionalen Entwicklung herausbildete.

Von Bedeutung sind aber nicht nur die Funde und die gute Zusammenarbeit, wichtig ist auch, dass die Iraner mit neuen Techniken der Archäologie vertraut gemacht wurden, etwa der Messung von Bodenmagnetik. Dabei zeigen sich bis in eine Tiefe von zweieinhalb Metern Störungen des normalen Magnetismus. Diese Methode wird zur Entscheidungsfindung: Wo graben? eingesetzt. Die Zeit drängt, weitere 100 Staudämme sind in Planung, so dass die Iraner darauf angewiesen sind, effektivere Methoden in ihre Arbeit zu integrieren.

Die Antikenbehörde hat jetzt zwei Musterklagen gegen die Energiebehörde geführt, das Ergebnis: ein deutlich erweitertes Mitspracherecht. Kein geringer Erfolg, denn in Zukunft wird die Behörde schon im Vorfeld der Planung miteinbezogen. Und sie hat Rückenwind: Neuerdings schätzen die Iraner wieder ihr kulturelles Erbe. Nach der Revolution wurde die vorislamische Kultur vernachlässigt, Persepolis und Pasargard waren aus der Mode, denn der verhasste Schah hatte dort seine Jubelfeiern inszeniert. Mit der Welle neuen Nationalbewusstseins, die das Land nicht nur als Folge des Atomkonflikts erfasst hat, beziehen sich die Iraner wieder gern auf Kyrosh. Und das nicht nur, um die vergangene Größe zu verherrlichen sondern manchmal auch, um darauf hinzuweisen, dass es schließlich der Perserkönig war, der als erster das Menschenrecht auf religiöse und kulturelle Toleranz für alle Völker formuliert hat.

Und wie geht es mit den Grabungen weiter? Das Projekt könnte jetzt zu einem Ende gekommen sein, erklärt Barbara Helwing, doch sie hofft auf eine Verlängerung. Vielleicht wird das Fluten des Stausees noch einige Monate aufgeschoben, sagt sie. Sollte das passieren, würden sie gern noch einmal graben.

Von Elisabeth Kiderlen

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Quelle: Deutschlandfunk
(pi)
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Veröffentlicht:
Montag, 10.07.2006 , 15:24 Uhr
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