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Berlin 06:34 - Tehran 08:04 - Los Angeles 21:34 Freitag, 12.03.2010
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LOS ANGELES
Welcome to "Teherangeles"
imgReportage: Was die 600.000 Exil-Iraner in Los Angeles über Bush und Ahmadinejad denken.

Los Angeles - Viel anders sieht es in Teheran auch nicht aus. Werbeplakate und Geschäftsnamen in Farsi; auch die Menschen auf der Straße sprechen Farsi; der Lebensmittelladen verkauft Hummus und Bulgur; aus einem Geschäft dringt die typisch disharmonische Musik, die man in allen orientalischen Ländern hört; und in dem Restaurant direkt an der Straße kann man sich zur Nachspeise eine Wasserpfeife bestellen.

Aber das hier ist nicht Teheran, Maschhad oder Isfahan. Das ist Los Angeles, die amerikanischste aller amerikanischen Städte. Nur auf dem Westwood Boulevard sieht die "Stadt der Engel" für ein paar Straßenblocks aus wie eine Stadt im Iran. Dieser Bezirk südlich der Universität ist der Grund dafür, dass man Los Angeles auch "Teherangeles" nennt, eine Zusammensetzung von Teheran und Los Angeles. Und das hat seinen guten Grund: In der kalifornischen Stadt leben 600.000 Iraner, Los Angeles wäre damit die zehntgrößte Stadt im Iran.

Die grün-weiß-rote Fahne mit Löwe und Schwert, die an der Wand des Buchgeschäfts hängt, macht klar, woher die Iraner stammen. Die Fahne ist das Symbol des alten Persien und war bis 1979 die offizielle Flagge des Landes. Dann kam die islamische Revolution, der Schah und seine Unterstützer mussten fliehen, Löwe und Schwert wurden durch das Wort "Allah" ersetzt und Los Angeles hatte eine neue Minderheit: Die ausgewanderten Monarchisten und persischen Juden.

In keiner anderen Stadt der USA verfolgt man daher den Konflikt mit dem Iran genauer, als rund um Westwood und im mondänen Beverly Hills, wo der Anteil der iranischen Wohnbevölkerung 20 Prozent beträgt. Die Diskussionen darüber, wie sich die Vereinigten Staaten in der Auseinandersetzung verhalten, ob sie mehr Muskeln zeigen oder doch auf Gespräche setzen sollen, wird heftig geführt innerhalb der Gemeinschaft. "Amerikaner sind nicht sehr offen, wenn es um dieses Thema geht. Sie haben sehr vorgefasste Meinungen", erklärt ein Iraner vorsichtig. Man will ja die neue Heimat nicht verärgern.

Denn darüber sind sich alle ausgewanderten Iraner einig, egal, ob es Monarchisten, Juden oder, wie die neuesten Ankömmlinge in Los Angeles, Flüchtlinge des Mullah-Regimes sind: Sie mögen Mahmoud Ahmadinejad hassen, die Politik des Irans verdammen, aber für Bush und seine Politik haben sie ebenso wenig übrig.

"Er will Demokratie und Freiheit mit Bomben und Waffen einführen", schimpft Minou, die im Lebensmittelladen "Jordan Market" arbeitet, über den US-Präsidenten. Eine Regierungsform könne man nicht exportieren wie Wasser oder Hamburger. "Bush will nicht verstehen, dass nicht jede Regierungsform für jedes Land passt."

Natürlich wünsche sie dem Iran Demokratie und Freiheit, aber das "müssen die Menschen, die dort leben, entscheiden. Sie allein haben das Recht, sich ihre Führung auszusuchen".

Dabei hat Minou, die in Graz Chemie studierte und 1982 in die USA kam, am eigenen Leib erfahren, was Iranern blüht, die sich ihre Führung aussuchen wollen. Ihr Vater wurde vom Schah-Regime als Widerständler verhaftet und ermordet, ihr Ehemann starb in den Händen der Mullahs. "Diktator ist Diktator", sagt Minou, "egal ob er schönes Gewand trägt oder einen Turban."

Delram im Buchgeschäft gleich nebenan, in dem es sogar Bill Clintons Autobiografie in persischer Sprache gibt, denkt ähnlich: "Mit Kriegsdrohungen wird man das Problem nicht lösen. Man muss ein Land und seine Menschen mit Respekt behandeln." Das habe sie gelernt. "Ich bin unter einer Regierung aufgewachsen, die mir gesagt hat, ich müsse auf der amerikanischen Fahne herumtrampeln." Später lernte sie das Land lieben, das zu verachten man ihr anerziehen wollte.

Etwas außerhalb, in den Hügeln von Bel Air, lebt Karim Amiryani, der den Iran 1978 verließ. Sein Haus kommt von den Dimensionen einem persischen Palast ziemlich nahe. Bauen hätte er ihn übrigens nicht dürfen: Die Bezirksverwaltung in diesem Teil von Los Angeles hat die Errichtung von überdimensionierten Herrenhäusern mit weißen Säulen, die man hier "McPalace" nennt, aus Sorge um das Stadtbild verboten.

Als Amiryani den Iran verließ, war er 14 Jahre alt. Ob er das Land vermisst, in dem er aufgewachsen ist? "Ich vermisse, woran ich mich erinnern kann: Wunderbare Momente, die Architektur, die Geschichte, die netten, freundlichen Menschen." Er würde gerne dorthin zurückkehren, wo er seine Wurzeln hat - "für einen Besuch".

Seine alte Heimat sieht er nicht als große Bedrohung. "Der Iran hat noch nie als erster ein anderes Land angegriffen; würden sie eine Atombombe einsetzen, dann wissen sie, dass sie zehn zurückbekommen; und außerdem werden sie sich ihre Geschäfte nicht gefährden."

Ein anderer Iraner bezeichnet die Drohungen Ahmadinejads als "Säbelrasseln". Er wolle nur die arabischen Länder beeindrucken, und je heftiger Washington reagiert, umso mehr nütze das Ahmadinejad. Statt zu drohen sollte sich Washington mit Iran an einen Tisch setzen und verhandeln; damit erreiche man eher eine Lösung.

Große Hoffnungen hat aber auch er nicht. "Ich würde gerne einen freien Iran besuchen. Ich hoffe, es kann bald sein. Aber ich befürchte, es wird noch lange dauern."

Von Norbert Rief

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Quelle: Die Presse
(pi)
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Veröffentlicht:
Dienstag, 24.10.2006 , 00:15 Uhr
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