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Berlin 21:13 - Tehran 22:43 - Los Angeles 12:13 Samstag, 17.05.2008
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DELARA DARABI
Gefangene der Farben (Fortsetzung)
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Delara's gemalten Bilder
Selbst zum Sterben müsste man prominent sein. In diesen Tagen spricht jeder über die Hinrichtung Saddam Husseins. Als er frohen Mutes alle Hände zu tun hatte, unschuldige Menschen zu massakrieren, war er höchst uninteressant. Selbst er hat einen fairen Prozess bekommen. Heute ein dutzend Menschensöhne mehr oder weniger, das berührte ihn herzlich wenig.

imgTagtäglich sterben tausende Menschen auf der Welt, ohne dass man etwas davon mitbekommt. Bestenfalls liest man kurze Zeilen in der Zeitung. Die Frage ist hier die Todesursache. Die einen sterben von selbst, den anderen wird nachgeholfen. Es ist von großer Bedeutung, welcher Abstammung man ist und zu welchem Volk einer gehört, wenn es darum geht, Verbrechen aufzudecken. Mittlerer Osten oder Amerika? Afrikaner oder Europäer? Aus Asien?! Seien wir ehrlich, bei gewissen Erdenteilen kann man behaupten, dass das Leben eines Menschen mittlerweile nicht mehr mit dem einer bedrohten Insektenart mithalten kann. Ja, es ist tierisch ernst, so absurd es sich auch anhört. Wenn du einmal im Iran im Gefängnis sitzt, dann kann dir angeblich nur noch Gott helfen. Aber welchen Gott meint man eigentlich damit? In den reichen Ländern, wo es ohnehin an nichts mangelt, sitzt er oben auf dem Altar und ist damit beschäftigt, Wein und Brot zu verteilen, doch in Krisengebieten, in den Diktaturen, wo Menschen hungern oder gefoltert werden, scheint er im Dauerurlaub zu sein, er hat nichts für seine Geschöpfe übrig. Er sieht zu oder schläft gerade unbekümmert.

imgDelara wird mit Sicherheit oft zu ihrem Gott gebetet haben, sie könnte situationsgemäß nicht viel verlangt haben. Kein Besitztum, kein glückliches Leben, nein, möglicherweise nicht einmal mehr das Leben selbst. Tief im Inneren hat sie sich längst mit dem Gedanken abgefunden, irgendwo bald einen Meter über dem Boden mit verbundenen Augen, am Galgen hängend, in der Luft zu schweben. Sie sehnt sich nach Gerechtigkeit, das ist der Grund, warum sie noch an Gott glaubt. Gut, dass sie nicht Bescheid weiß. Sie soll nicht wissen, dass ihre Henker die Legitimation zu morden aus den ewig geltenden heiligen Schriften geholt haben, die dieser ungerechter Gott eines Tages in seinem Rausch einem umherwandernden kriminellen Beduinen höchstpersönlich ins Ohr geflüstert hat. Es würde ihr weh tun, das würde ihr die letzte Hoffnung weg nehmen. Also wisse nicht, Delara! Wisse nicht, bete.

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Delara Darabi - Gefangene der Farben
Sie hat sich bestimmt tausendmal das Bild ihres toten Körpers auf den Block ihrer kunstreichen Phantasie gezeichnet und wieder zerrissen. Mehr als im Kopf ist ihr auch nicht erlaubt zu zeichnen. Seitdem viele Zeitungen, Portale und Nachrichtenagenturen durch ihre Werke auf sie aufmerksam wurden und über sie berichtet haben, ist sie zur Zielscheibe der islamischen Peiniger geworden. Sie haben ihr als Erstes den Stift weggenommen, dann wurde sie, ohne Rücksicht auf ihr Alter, in einen Trakt, wo sich Schwerverbrecher aufhalten, geschickt. Durch den psychischen Druck kann sie nicht mehr essen und leidet unter schweren Verdauungsproblemen. Laut ihrem Anwalt Abdolsamad Khorramshahi kann ein 17-jähriges Mädchen nicht über die körperliche Kraft verfügen, jemandem 18 Mal so schwer in den Leib zu stechen. Er ist ebenfalls der Meinung, dass die linkshändige Delara nicht den Mord begangen haben könnte. Es sei zu erwähnen, dass nicht einmal die Tatwaffe nach Fingerabdrücken untersucht wurde! Es sind imgkeine Untersuchungen stattgefunden, das heißt, das Gericht urteilte nur aufgrund des Geständnisses von Delara. Das Geständnis einer 17-Jährigen, das nach Verständnis der islamischen Justiz nicht mehr rückgängig gemacht werden darf. Delara Darabi steht kurz vor Exekution und wenn man bedenkt, dass einem zum Zeitpunkt der Tat noch minderjährigen Mädchen, dieselbe Strafe beigemessen wird wie einem Massenmörder Saddam Hussein, dann wird es höchste Zeit, erstens über die Todesstrafe an sich nachzudenken und zweitens mit aller Kraft gegen die bestialische islamische Republik, das Regime in Teheran, vorzugehen, um sie in naher Zukunft, wie Saddam, zur Rechenschaft zu ziehen. Mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen.

Von Ramin für INN

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Veröffentlicht:
Montag, 08.01.2007 , 01:06 Uhr
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