Chahar Schanbe Suri ist Teil der vorislamischen Tradition Irans. Das Fest ist zum Zankapfel zwischen der iranischen Bevölkerung und der Regierung geworden. Zusehends nutzen auch die Jungen und die Regimegegner diesen Tag, um Luft abzulassen und Kritik am Regime zu üben.Langsam legt sich die Nacht über Isfahan, die ehemalige Residenzstadt der Safawiden, der persischen Könige. Die Frühlingssonne macht der Strassenbeleuchtung und den blinkenden Reklamen der Boutiquen und Hidschabshops, den Modegeschäften für Schleier, Platz. Tagtäglich flanieren Tausende durch die Einkaufsstrassen des Armenierviertels Jolfa, bahnen sich ihren Weg durch eine Blechlawine von iranischen Billigautos, den Peykans, und schickeren französischen Limousinen.
Doch heute ist alles anders. Aus dem Zwielicht einer Seitenstrasse rast ein Motorrad mit knatterndem Auspuff. Zwei Männer, durch ihre Bomberjacken und Bärte als Mitglieder der paramilitärischen Basidschimiliz erkennbar, sitzen darauf - sie fahren in Richtung Universität und Sagrosgebirge, wo ganze Strassenzüge abgesperrt sind. Der Gedanke an ihre grimmigen Gesichter wird durch den ohrenbetäubenden Knall einer Explosion zerstreut. Auf der anderen Strassenseite lodert ein Feuer, junge Frauen stossen schrille Schreie aus. Es tönt nach einer neuen iranischen Revolution, doch es sind die Feuerwerkskörper der Nacht vor Chahar Schanbe Suri, dem letzten Mittwoch des persischen Jahres, Teil des Neujahrsfests, heuer am 13. März.
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(pi) Quelle: Die Wochenzeitung