img
img
Info
img
x
img
img Ja img
img Nein img
img
img
img
img
Login
img
img img img
img
img
img EMail Adresse img
img
img
img
img Passwort img
img
img
img
img
img img img Immer automatisch einloggen
img
img
img img img
img
img Login img
img Abbrechen img
img
img
img
img
img
img
img
img img img
Artikel heute
img
img
img
img
Berlin 21:16 - Tehran 22:46 - Los Angeles 12:16 Samstag, 17.05.2008
img
KULTURELLER AUSTAUSCH ALS ÜBEL?
Wie H.M. Broder im Spiegel den Blick auf das Wesentliche verzerrt
img
Gastspiel des Morgenlandfestivals in Teheran (Bild: Dreyer/INN)
Dieser Artikel ist mit Abstand der erbärmlichste aller Broder Artikel zum Thema Iran. Bisher konnte ich seinen Texten mit einem Schmunzeln begegnen, das ist mir aber dieses Mal nicht möglich. Ich bin fassungslos darüber, dass er offenbar nicht einmal einem erfahrenen Redakteur vorgelegt werden musste, bevor er veröffentlicht wird. Und ich kann nicht glauben, in welche Richtung der Spiegel hinsichtlich der Iran Berichte abdriftet. Stimmt es wirklich, was Navid Kermani offen über die Spiegel Redaktion sagte? Wie kann so ein entsetzlich gefärbter und unsachlicher Text es schaffen, in diesem so häufig besuchten Magazin zu erscheinen? Ist die Spiegel Redaktion wirklich derartig uninformiert über das ambivalente Thema Iran? Oder hat es der Spiegel tatsächlich nötig, mit Axel Springer Werken zu konkurrieren? Wie wäre es mit der Übernahme der Bildzeile "Der Hitler von Teheran"?

Dass Herr Broder ungeachtet des offensichtlichen Fehlens jeglichen Basiswissens über iranische Geschichte, Kultur, Politik und vor allem der vielschichtigen iranischen Gesellschaft mitsamt ihren unzähligen Völkern, Religionen, Strömungen usw. weiterhin solche unsachlichen Pamphlete verfassen kann, sie auf diesem Medium veröffentlichen darf und dafür noch horrende Honorare einstreicht, lässt mich schlichtweg erschaudern.


Von wem wurde dieser Artikel redigiert?

Kein Vergleich ist überhaupt ansatzweise möglich. Weder zwischen Deutschland und Iran, weder zwischen 1933 und 2007, noch zwischen Berlin und Teheran, noch zwischen der Olympiade von 1936 und einem Kulturaustausch Konzert der Stadt Osnabrück mit der Millionenstadt Teheran in 2007, weder zwischen Kopftüchern und sportlicher Teilnahme an der 36er Olympiade, weder zwischen der NSDAP und ihrem Führer und der "iranischen Regierung" (von der Broder wahrscheinlich genau eine Person namentlich nennen kann, geschweige denn Parteien oder Machtgefüge kennt), noch zwischen nationalsozialistischer Ideologie, Pogromen & Holocaust und Schiitisch-islamischer Republik mit Parlament (Madjlis), Präsident, Religionsführer und Rechtsgelehrten, unsäglichen Pasdaran Stiftungen und den von der "Regierung" öffentlich vollzogenen Todesstrafe in Iran. Was Broder alles in einen Topf wirft ist unmöglich in einer Art „Leserbrief“ von mir komplett darzustellen.

Die süffisante Anmaßung in seiner Formulierung, der journalistisch völlig misslungene Versuch Parallelen zwischen Nazideutschland und Iran zu ziehen und wahrhaftig damit zu versuchen, die Musiker - natürlich ganz besonders die Frauen, die bitteschön ihre Kopftücher ablegen hätten sollen und damit ihre Unversehrtheit zu opfern - in eine Verantwortung zu drängen, ist geschmacklos, und letztlich einfach dumm.

Es gibt in Deutschland wahrhaftig genug Möglichkeiten, sich an Lehrstühlen oder Instituten für Orientalistik über Iran zu informieren. Iranistik - und damit verbundene Politikwissenschaft - ist kein so seltenes Studienfach, als dass ein „Journalist“ wie Broder Schwierigkeiten hätte, Ansprechpartner zu finden um sich wenigstens über einige wenige Themen rund um iranische Geschichte, Politik, Kultur, Gesellschaft im Wandel der letzten hundert Jahre zu informieren. Er hätte diese Möglichkeiten auch sicher genutzt, ginge es ihm tatsächlich um die Wahrheit und nicht etwa darum, wie immer zu polemisieren und alles und jeden zu diffamieren, der nicht seinen Schwarz-Weiß-Kontrasten Folge leistet.

Was an Broders Text aber vor allem beschämt, ist die Tatsache, dass die Osnabrücker Symphoniker nicht auf Einladung, sondern gegen massiven Widerstand der Islamischen Republik aufgetreten sind. Die Besucher haben die Konzerte als Triumph gegen das Regime empfunden und nicht etwa als Kooperation mit diesem. Wenn Herr Broder diese mühselige Prozedur auf diese Art und Weise verbal zerstört, handelt er gegen seine angeblich guten, moralischen Absichten und macht sich damit unglaubwürdig.

Gerade der kulturelle Austausch zwischen Deutschland und Iran hat eine Jahrhunderte währende Tradition. Bereits Goethe, den Broder selbst noch bemüht, förderte ihn. Und selbst zu seiner Zeit konnte dieser Austausch bereits auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. Sich aber dann noch über das Tagebuch eines Musikers derartig unsachlich zu äußern, ist nicht nur vermessen sondern verdreht vor allem ganz bestimmt dessen Intention ein anderes Bild Irans präsentieren zu wollen, als man es hier in Deutschland tagtäglich in Staccatoform vorgekaut bekommt.

Ein politischer Journalist sollte vielmehr Politik der Organe und Vertreter der Bundesrepublik kritisieren und ihr ausschließlich mit wirtschaftlichen Interessen begründetes Handeln durchleuchten. Welches glänzende Image hatte das Persien unter Schah Pahlawi in Deutschland, für wie viel Milliarden hat sich Deutschland in den 70ern am Ausbau der iranischen Atomindustrie beteiligt? - Broder wurde ganz bestimmt nicht von Prügel-Persern unter den Augen der deutschen Polizei zusammengeschlagen, Broder hat dann zwanzig Jahre später bestimmt genauso wenig gegen mannigfaltige Lieferungen an die Islamische Republik protestiert, wie er die gleichzeitigen westdeutschen Labor-Know-How und Anlagenbausteinlieferungen an Saddams Irak zur Herstellung von Senfgas angeprangert hat. Der Einsatz der diversen Gase gegen die iranische Übermacht an Truppenstärke lässt sich noch heute in dortigen Krankenhäusern nachvollziehen. Dort sitzen sie nämlich die damals jungen Burschen, die seit 15 Jahren ohne Teile ihrer Lunge leben müssen. Wo bleibt Broder bei diesen Themen?

Das von Broder zitierte Tagebuch des "Morgenland"-Festivalleiters zeigt vor allem Eines: Er hat sich über Vorurteile und Ängste gegenüber Iran hinweggesetzt und möchte nun einfach mitteilen, dass ihm ganz im Gegensatz zum verzerrten Bild, das vor allem der iranischen Bevölkerung und Zivilgesellschaft zu Unrecht in deutschen Medien aufgezwungen wird, überall ein Lächeln entgegengebracht wurde und man ihn mehr als nur mit offenen Armen und Interesse empfangen hat. Er hat von dieser Reise etwas mitgebracht - nämlich, dass Iran - egal wer nun regiert, wie viel Unrecht im Namen einer Religion passiert und wie viel Sorgen die Iraner tagtäglich haben - ganz einfach vielschichtig ist. Und dass die Iraner, jeder für sich eine ganz eigene Meinung haben. Ganz bestimmt sind die Iraner aber nicht feindlich. Ein Broder würde sich wundern, wie freundlich er in Iran als Europäer empfangen würde und wie dankbar Teheraner Musikliebhaber für diesen Kulturaustausch gewesen sind.

Von den Musikerinnen das Abnehmen des Kopftuches sozusagen als politische Demonstration zu verlangen ist nichts anderes als verantwortungslos, arrogant, anmaßend und nicht zuletzt frauenfeindlich. Wenn Herrn Broder der Humanismus so sehr am Herzen liegt, dann möge er sich in den nächsten Flieger nach Iran setzen und sich selber den dort herrschenden Gesetzen in der Öffentlichkeit widersetzen und dies nicht von Musikerinnen erwarten.

Die iranische Bevölkerung muss sich ob sie es nun will oder nicht seit Jahrzehnten mit mannigfaltigen Restriktionen arrangieren, die ihre Freiräume eingrenzen. Dieses Arrangement als ein Übel zu ertragen, seinen Lebenswillen darüber aber nicht zu verlieren zeichnet die iranische Zivilgesellschaft schlichtweg aus, so werden vor allem Kleidungsvorschriften seit Jahren in der Öffentlichkeit immer freier ausgelegt und die Ordnungskräfte offen provoziert. Die Verhaftungs- und Abmahnungswelle im Frühjahr dieses Jahres spricht für sich. Der Staat wollte seine Macht demonstrieren, ist damit jedoch letztlich gescheitert. Von deutschen Musikern nun eine Form von "Zivilcourage" einzufordern, ignoriert die langjährigen Kämpfe der iranischen Bevölkerung und führt den Kern der Kritik ad absurdum. Durch ein Verweigern des Tragens des "Hijab" durch die Musikerinnen, hätte man vor allem den Ordnungskräften zugespielt, denn dann wäre das Konzert in Windeseile abgesagt und verhindert worden. Dass die deutschen Musikerinnen die Zumutung jedoch akzeptiert haben und mit Kopftuch musizierten demonstrierte zum einen ihre Solidarität mit den iranischen Frauen und zum anderen war es fast eine typisch-iranische Art mit Restriktionen umzugehen, denn den Sittenwächtern einfach das Feld zu überlassen und das Konzert so unmöglich zu machen, wäre letztlich schrecklich einfallslos gewesen.

Ebenso müssten sich also nun High-Tech Spezialisten aus Indien dafür rechtfertigen wenn sie in einem Blog darüber berichten würden, während ihrer Kurzvisite in Deutschland anstatt gegen das geschehene Unrecht gegen ihre Landsleute in irgendeiner Weise Stellung bezogen zu haben, lieber die Menschen in Deutschland getroffen zu haben und ganz überraschend eben nicht durch die Städte gejagt worden zu sein, und letztendlich anstatt einer Reduzierung „Sauerkraut & Marschmusik“ eine aufgeschlossene deutsche Bevölkerung kennengelernt zu haben.

Ein Hoch auf das Orchester aus Osnabrück und ihren Mut trotz Ressentiments Iran zu besuchen und dort zu musizieren.

Ein Kulturaustausch verbindet Kulturen & Menschen und formt nicht zuletzt emotionale Verbundenheit. Er ist keine Bestätigung für Politik, Machtmissbrauch, Korruption oder Menschenrechtsverletzungen. Broder fordert von den deutschen Musikern nichts anderes, als das, was der iranische Staatsapparat seit Jahrzehnten praktiziert: Den Missbrauch von Kultur für ideologische Ziele.

Von F. Gharadjedaghi

__________________________________________________________
©Gharadjedaghi/INN

(pi)
img
img
img img img
img
Veröffentlicht:
Mittwoch, 05.09.2007 , 21:29 Uhr
img
img img img
img
img img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
Statistik
img
422 User online
img
0 Mitglieder
img
422 Gäste
img
Letzte Stunde
img
1 Mitglied
img
2625 Gäste
img
Letzte 24 Stunden
img
3 Mitglieder
img
59632 Gäste
img
img
img
img
Inhalt © 2000-2006 Iran-Now Network | ElysianWorld Application Server © 2006 Sherry & Minah | ElysianNights Layout © 2006 Sherry & Minah
img