
Es handelt sich hierbei um eines der weltweit feinsten Sammlungen moderner Kunst - doch man findet sie nicht in New York oder in Paris, sondern im Iran. Dutzende von Werken von Künstlern wie Pablo Picasso, Andy Warhol und Jack Pollock, die zusammengerechnet ca. einen Wert von 3 Milliarden US-Dollar ergeben, sind in einem Keller in Teheran eingeschlossen.
Nur eine Hand voll von Menschen aus dem Westen durften die Kunstwerke und Untergrundarchive in Teherans Museum für moderne Kunst aus der Nähe bewundern. "ABC News" hat eine exklusive Berechtigung und Zugang zum Schatzraum erteilt bekommen, der eine unbezahlbare Kollektion in sich hortet, die von den iranischen Behörden verschlossen gehalten wird.
Das, was zu sehen war, ist erstaunlich: Eine Serie von Bildern von Picasso, eine ganze Wand voll Pop Art von Roy Lichtenstein, Warhol Portraits von Jackie Onassis, Mick Jagger und Marilyn Monroe, ein Selbstportrait von Rivera - und ein Bild, das von vielen Kunstkennern als das Beste von Jack Pollock außerhalb Nord Amerikas erachtet wird.
Diese wundervolle Sammlung ist damals als Geschenk für das iranische Volk gedacht gewesen, die eigens vom „Shah von Persien“ und seiner Frau während des Öl-Booms der 70er Jahre zusammengestellt worden ist. Teherans Museum für moderne Kunst ist 1977 eröffnet worden. Erschaffen mit der Absicht, eines der besten Institutionen für moderne Kunst in der Welt darzustellen – und das mit einer Sammlung, die sich diesem Ziel als würdig erweisen konnte. Doch nur wenige Monate später fand die islamische Revolution statt. Der Shah wurde gestürzt und der neue Führer hieß ab dann Ayatollah Khomeini. In der revolutionären und vor allem anti-amerikanischen Atmosphäre, ist die westliche Kunst des Museums in den Keller verbannt worden.
Wieso werden diese unbezahlbaren Stücke nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht? Die Gründe hierfür sind eine Mischung aus ideologischen und praktischen Gründen. Die Sammlung ist riesig, während das Museum ziemlich klein ist. Der vom konservativen Präsidenten Ahmadinejad ernannte Direktor Dr. Habibollah Sadeghi, der selber ein Maler ist, behauptet, dass nicht genügend Platz vorhanden sei, um die Werke richtig ausstellen zu können. Andere wiederum lassen Zweifel darüber aufkommen, ob die wertvollen Stücke angemessen vor Diebstahl und Beschädigung geschützt werden können, sollten sie denn der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Der konservative Islam stellt im Iran eine mächtige, herrschende Kraft dar und hat eine wichtige Rolle bei der Entscheidung gespielt, diese Werke im Untergrund zu halten. Neben der anti-westlichen Haltung der nachrevolutionären Herrscher Irans, werden die Werke unter Anderem für zu gewagt für die konservative, muslimische Gesellschaft gehalten. Als ein Teil der Sammlung für eine sehr kurze Zeit im Jahre 2005 ausgestellt worden ist, ist Andre Derain's "Golden Age" (1905), auf dem ein Bild von nackten Frauen abgebildet worden ist, versteckt gehalten worden. Auch das mittlere Stück von einem Triptychon von Francis Bacon wurde der Öffentlichkeit unzugänglich gemacht, da man die mittlere Tafel als homoerotisch hätte interpretieren können. Sie zeigte zwei nackte, schlafende Männer in einem Bett.
Eine permanent öffentliche Ausstellung soll in Planung sein - behauptet Sadeghi - falls der Platz im Museum eines Tages erweitert wird. Sollte dies tatsächlich irgendwann der Fall sein und der komplett öffentliche Zugang zu den Meisterwerken tatsächlich realisiert werden, würden die Träume von Kunstliebhabern aus aller Welt in Erfüllung gehen. "In zwei oder drei Jahren können wir das Museum erweitern und so eine Ausstellung gewährleisten", hat Sadeghi gesagt. Außerdem sagte er, dass das Museum hoffe, dass sogar noch mehr westliche Werke in den kommenden Jahren aufgekauft werden können, um die Sammlung zu erweitern.
Sadeghi, der von Präsident Mahmoud Ahmadinejad auserkoren worden ist, hat eine freundliche Beziehung zu der westlichen Kultur, die sonst immer Ziel von öffentlichen Verbalattacken seitens der iranischen Führung ist. "Wir hoffen" so Sadeghi, "dass wir 100 Bilder aus Europa und Amerika aufkaufen können. Wir respektieren Ihre Kultur wirklich und hoffen, dass Sie uns auch respektieren".
Die Art von Werken, die er der Sammlung gerne hinzufügen würde, gehört zur mexikanischen, revolutionären Kunst, die vielleicht als Einheit mit den revolutionären Idealen der islamischen Republik Irans gesehen werden kann. Die Iraner betonen, dass die westlichen Werke sicher und gut gewartet werden und dass sie in einem klimakontrollierten Keller gehortet werden. Sadeghi berichtete, dass die Stücke bei Kunstliebhabern aus aller Welt sehr begehrt sind und sie schon einige Angebote bekommen haben - doch von iranischer Seite her seien sie unverkäuflich.
Es gibt nur einen Fall, bei dem man weiß, dass ein Kunstwerk die iranischen Archive verlassen hat: Ein Werk eines abstrakten Expressionisten namens Willem de Kooning wurde für die selten bebilderten Seiten von "Shahnameh", eines iranischen Epos mit poetischer Kraft, verwendet.
Bis jetzt jedenfalls scheint die Sammlung noch voll intakt zu sein, obwohl die Werke im Untergrund weilen und von den Augen der Öffentlichkeit versperrt gehalten werden.
(Frei übersetzt aus dem Englischen von Sherry)Quelle:
ABC News© Sherry / INN