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Berlin 17:23 - Tehran 18:53 - Los Angeles 08:23 Dienstag, 13.05.2008
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ESSAY
Iranische Frauen in der Antike
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(Recherchiert und frei übersetzt aus dem Englischen von Sherry)


Jede Analyse über das Leben und den Status der Frauen im antiken Iran stellt eine sehr komplexe Aufgabe dar, die viel Zeit und Geduld erfordert. Die Intention dieses verhältnismäßig zum Thema sehr kurz geratenen Essays ist die, essenzielle und auf archäologischen Befunden basierende Informationen bereitzustellen, die für ein deutlicheres Bild der Frau zu jener Zeit nötig ist. In diesem Essay wird hauptsächlich die Frau im achaemenidischen Iran behandelt. Das Material basiert vor allem auf Verwaltungs- und Finanz-Texte, die in Persepolis (509-438 v. Chr.) bei Ausgrabungen entdeckt worden sind. Auch Dokumente aus Susa in Babylon und anderen mesopotamischen Hauptstädten aus dieser Periode werden herangezogen.

Diese Texte geben eine einzigartige Einsicht in die soziale und wirtschaftliche Situation der Frauen im antiken Iran wieder – einmal von den Frauen königlicher Abstammung und einmal von den Frauen aus dem gemeinen Volk. Der Text beinhaltet die Beschreibung des Lebens einzelner Frauen, Bezahlungen und Löhne für männliche und weibliche Arbeiter/innen und Aufzeichnungen über explizite Anweisungen der Herrscherinnen oder ihren Vertreter/innen an die Arbeiter/innen geben uns einen wertvollen Einblick in jene Zeit, in der diese mächtigen Frauen ihr Vermögen eigenständig verwaltet haben.


Der Status der Frauen innerhalb der Königsfamilie

Die Dokumente zeigen offensichtliche Status-Unterschiede zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern in der herrschenden Königsfamilie auf. Der jeweilige Status der Frauen in der Königsfamilie ist abhängig von der Beziehung der Frau zum König. Als interessantes Beispiel sei da zu nennen, dass die Mutter des Königs zu den anderen weiblichen Familienmitgliedern den höchsten Rang hatte und eine Art "Oberhäuptin" darstellte. Der zweithöchste Rang wurde von der Königin getragen (die Mutter vom Kronprinzen oder die Hauptfrau des Königs). Gefolgt wurde sie dann von den Töchtern und Schwestern des Königs. Alle Frauen hatten einen spezifischen Titel mit anerkannter Autorität im Hof und leiteten ihr beachtliches Vermögen eigenständig.

Beerdigungsriten und Sitten, in denen der adeligen Frauen nach ihrem Tod gedacht wurde, zeigen eindeutig eine sehr hohe Anerkennung und Achtung diesen Frauen gegenüber. Vor allem die Mutter und die Frau des Königs werden hoch gepriesen. Aus den Schriften wissen wir, dass der König die wichtigste Quelle der Autorität war, der den Rahmen, den Standard und die Normen definiert hat, in denen die Frauen agieren konnten. Doch in diesem definierten Rahmen waren die Frauen wirtschaftlich unabhängig, waren in der Verwaltung von wirtschaftlichen Angelegenheiten involviert, waren mündig, sind gereist und kontrollierten ihr Vermögen, indem sie selbstbewusst ihre Position als mächtige Frauen im Alltag lebten und bei geschäftlichen Angelegenheiten resolut, mutig und handlungssicher waren.


Das Herrschen und Arbeiten der Frauen

Die nicht-adeligen und gewöhnlichen Arbeiterinnen wurden durch ihren Rang in ihrer jeweiligen Arbeitsgruppe und Werkstätten definiert. Die Rationen (Essensrationen wie Wein, Getreide etc., die damals den Arbeitslohn darstellten), die sie erhielten, waren von ihren Fähigkeiten und dem Verantwortungsgrad in ihrem Arbeitsplätzen abhängig. Die Berufe waren nach Geschlecht eingeteilt und nach der Größe ihrer Lohn-Rationen aufgelistet.

Die Aufzeichnungen zeigen, dass einige Berufe sehr wohl von beiden Geschlechtern ausgeübt wurden und andere wiederum entweder auf männliche oder weibliche Arbeiter/innen beschränkt worden sind. Hier wurde wohl vor allem die Differenz der Körperkraft beider Geschlechter berücksichtigt. Es gab männliche und weibliche Vorgesetzte in den jeweiligen, gemischten Werkstätten, die sich durch ihre höhere Ration offensichtlich von den gewöhnlichen Arbeiter/innen unterschieden. Es gab auch Fälle, in denen die Frauen zwar in der selben Kategorie wie die Männer aufgelistet waren, aber entweder mehr oder weniger als die männlichen Kollegen verdienten. Woran das genau festgemacht wurde, ist nicht ganz ersichtlich. Weibliche Vorgesetzte und Managerinnen hatten verschiedene Titel, die vermutlich die Stufe ihrer Fähigkeiten reflektierte. Die Arbeiterinnen mit den höchsten Rängen werden in den Texten "Arashshara" (große Leiter) genannt. Sie kommen wiederholt in den Texten vor, waren an verschiedenen Orten angestellt und leiteten große Gruppen von Frauen, Kindern und Männern, die in ihren Einheiten arbeiteten. Ihre Rationen an Wein und Getreide, die sie verdienten, ist viel höher gewesen als das, was die Arbeiter in der Einheit verdient haben - inklusive der Männer.

Interessant ist, dass die Rationen nicht nur an der Arbeit und dem Rang der Arbeiter/innen festgemacht wurden, sondern auch an der sozialen Situation, in der sie sich befanden. Junge Mütter und schwangere Frauen z.B. haben größere Rationen verdient als andere Frauen, die sich im selben Rang aufhielten, aber nicht schwanger waren oder ein Kind mitzuversorgen hatten. Dennoch wurden Söhne den Töchtern damals klar bevorzugt, was man daran erkannte, dass wenn Mütter Söhne auf die Welt brachten, die Mütter und sogar die Krankenschwestern und Ärzte der Mutter größere Rationen bekamen, als wenn eine Tochter auf die Welt gebracht wurde. Diese Extra-Rationen wurden für einen ganzen, vollen Monat geleistet. Die Mütter von Jungs haben kontinuierlich die doppelte Ration erhalten als die Mütter von Mädchen. Dennoch gibt es keine Hinweise über Kindestötung bei Mädchen, da die Geburtenrate der Jungs nur ganz leicht die Geburtenrate der Mädchen überstieg.

Der stichhaltigste Beleg, der in den Texten über die Leiterinnen und Arbeiter/innen geliefert wird, ist der bezüglich Irdabama. Irdabamas Arbeiter tauchten an den verschiedensten Orten auf. Die Größe ihres Personals reichte von kleineren Einheiten bis zu Gruppen von mehreren Hunderten Arbeitern beider Geschlechter. Sie besaß ihr eigenes Landgrundstück und ihr eigenes, privates Siegel. Das impliziert, dass sie in irgendeiner Weise entweder mit der herrschenden Königsfamilie verwandt gewesen war oder in guter Beziehung zu dieser stand - jedoch in den Texten niemals als "adelig" bezeichnet wurde. Sie kontrollierte eigenständig ihre Arbeiter/innen, deren Zahl beträchtlich groß war, was dafür spricht, dass sie durch ihren eigenen Fleiß und ihren eigenen Leistungen einen unabhängigen und hohen wirtschaftlichen Status erlangt hatte. An anderen Stellen der Texte werden außerdem auch andere, damals prominente, weibliche Führungskräfte mit einer großer Zahl von Arbeiter/inne erwähnt. Wir wissen nun, dass Frauen zu jener Zeit genauso viel Verantwortung als Führungskraft besaßen wie die Männer und ihr Vermögen eigenständig verwalteten und die Rationierung / Bezahlung der Arbeiter/innen selbstbestimmt vornahmen.


Leistung und Löhne

Klar ersichtlich aus den Texten ist auch, dass Kriterien bezüglich der Rationierung von "Löhnen" (in Naturalien) sich eindeutig auf Qualifikation, Aufgaben, Beruf und Funktion der Arbeiter/innen bezogen - alles in allem aber kein Unterschied zwischen der Bezahlung zwischen weiblichen und männlichen Arbeiter/innen bestand. In den unspezialisierteren Aufgabenbereichen scheinen jedoch Männer höher bezahlt worden zu sein als Frauen. Das kann unter anderem daran liegen, dass bei anfallenden Arbeiten, in denen die Kraft dann doch eine wichtige Rolle spielte, die Männer durch ihre höhere Leistungsfähigkeit bevorzugt wurden und dementsprechend höher bezahlt wurden. Aus den Aufzeichnungen geht jedenfalls sehr deutlich hervor, dass die Relation zwischen männlichen und weiblichen Arbeitern sehr ausgeglichen war und die Frauen ein aktiver und gesunder Bestandteil des wirtschaftlichen Lebens im antiken, achaemenidischen Iran waren.


Frauen aus dem gemeinen Volk

Die Texte, die sich mit den königlichen und aristokratischen Frauen beschäftigen, geben ein sehr gut gezeichnetes Bild vom Leben der Menschen und den Verhältnissen des alten Imperiums wieder. Es werden darin nicht nur die königlichen Frauen beschrieben, sondern auch ein tiefer Einblick in das Leben jener Menschen geboten, die im königlichen Kreis als Arbeiter und Dienstmädchen- und Boten integriert waren.

Zum Beispiel erfahren wir über Artim, dem Kindermädchen für die Tochter des Königs, dass sie Miete für ihren Besitz erhält. Dann kommt in den Texten noch Madamis vor - eine andere weibliche Angestellte am königlichen Hof. Die Steuern, die sie zahlte, belegen eindeutig, dass der Besitz von Landgut nicht nur auf jene Frauen begrenzt war, die königlichen Geschlechts waren, sondern solche Eigenverwaltungen viel häufiger und verbreiteter unter den gewöhnlichen Frauen vorkamen, als einst angenommen. Solche Einblicke zeigen uns, dass es zu jener Zeit völlig normal zu sein schien, dass Frauen Unabhängigkeit und eine juristische Anerkennung hinsichtlich ihrer Gleichwertigkeit als Wirtschafterinnen und Gutsbesitzerinnen genossen und ihr Besitz nach eigenem Ermessen verkaufen, verwalten und vermieten konnten wie jeder andere Mann auch.


Die Rolle der Ehefrau und Mutter

Das Dokument hält die biologische Abstammung der königlichen Nachkommen fest - und vor allem auch die Bedeutung der leiblichen Mutter. Cambyses und Bardiya z.B. werden als Nachkommen vom selben Vater und der selben Mutter beschrieben. Aus dieser Andeutung geht hervor, dass es auch andere Kinder gab, die nicht die gleiche Mutter hatten. Voll- und Halbbrüder und Schwestern finden im Dokument, samt einer natürlichen Legitimität ihrer Existenz, Erwähnung. Auch andere Frauen vom König werden erwähnt, aber ihr Status ist ein anderer als der der Ehefrau vom König. Sehr interessant ist auch die auffällige Erweiterung von familiären Begriffen, in denen auch nicht verwandte Menschen, Söhne und Töchter genannt wurden und ältere Menschen aus Respekt und Zuneigung heraus "Vater" und "Mutter" genannt wurden.

Die Tafeln in Persepolis legen uns drei unterschiedliche Benennungen für Frauen frei: „Mutu“, „Irti“ und „Dunksis“. Das erste Wort "Mutu" bezog sich immer auf gewöhnliche Frauen ohne königlichen oder aristokratischen Hintergrund - die anderen zwei Benennungen bezogen sich auf Frauen mit königlichem Blut. In einem der Dokumente wird Artazostre, eine Tochter des Königs Dariush als "Mardunuya Iriti Sunki Parki" bezeichnet, was soviel bedeutet wie "Die Frau von Mardonius, Tochter des Königs". Die Verwendung solcher Terminologien zeigt die Bedeutung des Ehestatus einer Frau und ihrer Verwandtschaft zum König, die eben den Status u.a. ausmachte. Die königlichen Frauen werden in vielen Dokumenten bei ihren vollen Namen genannt. Artystone, die Frau von Dariush I, wird oft zusammen mit Parysatis, der Frau von Dariush II. genannt. Beide werden in vielen, neu-babylonischen Dokumenten als große Landbesitzerinnen in Persien, Medien, Babylon und Syrien genannt. Sie verpachteten ihre Ländereien an Lehngutsbesitzer, deren Pacht durch Gutsverwalter oder andere Vertreter eingesammelt wurden. Artystone hatte drei Ländereien, wie aus 38 Briefen mit ihrem persönlichen Siegel entnommen werden konnte. Die Briefe bestätigen, dass es an jedem Grundbesitz eine große Anzahl von Arbeiter/innen und viele Lager für Getreide und andere Produkte vorhanden waren. Gutsverwalter nahmen direkte Befehle der Königin an und setzten sie um. In vielen Fällen hatten König und Königin die selben Gutsverwalter, die beide – König und Königin – als Autorität anerkannten und Befehle entgegen nahmen und umsetzten - in anderen Fällen hatte jeder seine Eigenen.


imgLeben und Herrschaft adeliger Frauen

Verwaltungstexte enthüllen, dass Frauen aus königlichen Familien weit gereist sind, um ihr Besitz und Gut in anderen Regionen zu inspizieren und ihr Vermögen allein - und manchmal auch mit der Hilfe ihrer Ehemänner - zu verwalten. Die Reise-Utensilien und der Proviant, den sie mitnahmen, lassen Rückschlüsse darauf ziehen, wer ihre Reisepartner, Wächter, Diener, Köche usw. waren. Beide Königinnen – Artystone und Parysatis - sind laut Text nach Babylon gereist, um Steuerzahlungen zu überwachen und Mietzahlungen einzusammeln. Man kann in den Texten über einen "Richter, der zum Hause von Parysatis" gehörte, lesen.

Die Perser hatten damals ihr eigenes Justizsystem in den eroberten Territorien. Die Königin hatte demnach sehr wahrscheinlich ihren eigenen Richter, der nach ihren Angelegenheiten und Geschäften schaute und sie nach ihrem Sinne verwaltete. Viele Dörfer in Babylon gehörten zu ihrem Besitz, doch sie hielt dort keine Sklaven: Die Bürger waren frei, aber zahlten der Königin Steuern in Form von Wein, Produkten aus der Agrikultur und Vieh etc.

Die königlichen Frauen gaben zudem aufwändige Feste, für die große Mengen an Wein, Fleisch und anderen Lebensmitteln mit oder ohne Siegel des Königs für spezielle Anlässe bestellt wurde. Sie nahmen regelmäßig an königlichen Festen und Banquets teil und organisierten zusätzlich ihre eigenen Festlichkeiten. Man findet in den Dokumenten ein Beispiel, in dem Dariush selber die Lieferung von Wein an seine Frau Irtahduna befiehlt - und wiederum andere Beispiele in anderen Dokumenten, in denen die Damen selber Wein und Getreide bestellten.


Das Familienleben

Die Familien zeigten ein patriarchalisches System auf. Es gab Polygamie und Konkubinen. Ehen mit nahen Verwandten und sogar mit Brüdern und Schwestern wurden in bestimmten Fällen praktiziert. Doch solche Ehen wurden nur geschlossen, wenn die Matrilinearität als Familiensystem eine Rolle spielte. In solchen Systemen kriegen Töchter eine große Erbschaft; und da eine Mitgift gezahlt werden musste, war die Ehe zwischen nahen Verwandten eine Möglichkeit, dass Vermögen innerhalb der Familie zu halten.

Bis heute wissen wir nicht viel über das Erbschaftssystem zu Zeiten der Achaemeniden. Deshalb lassen sich kaum Aussagen darüber treffen, wie und was und in welchen Anteilen Familienmitglieder geerbt haben und warum genau sie solche Ehen praktizierten. Wir wissen aber, dass die Mütter, Ehefrauen und Töchter vom König große Besitztümer vom König hatten, aber ob sie ihr Vermögen durch das Erben oder durch andere Wege erhalten haben, ist noch unklar. Man kann die selben Familien- und Ehemuster auch bei den reichen Bürgern im ganzen Imperium finden. Konkubinen des Königs wurden damals legitim unter dem Begriff "Frauen des Königs" untergebracht. Auch sie hatten persönliche Diener, und ihre Dienste wurden nicht nur vom König in Anspruch genommen. Der König und andere Familien hohen Standes heirateten normalerweise innerhalb aristokratischer Kreise. Deshalb ist es sehr unwahrscheinlich, dass Konkubinen damals in königliche oder aristokratische Kreise eingeheiratet wurden und den Status einer Ehefrau erlangt haben. Es gibt einzelne Quellen, die besagen, dass einige Konkubinen von bestimmten Königen besonders bevorzugt worden sind - jedoch sind diese zuwenig fundiert, als dass man nähere Aussagen darüber treffen könnte.


Eheschließung und Scheidung

Gemischte Ehen zwischen Persern und Nicht-Persern haben existiert. Die Kinder des Königs sind oft mit nicht-persischen Völkern verheiratet worden, um Bündnisse zu verschiedenen Gruppen oder sogar anderen Nationen aufzubauen und zu etablieren. Dariush z.B. verheiratete seine Töchter mit militärischen Führern im ganzen Imperium. Er selbst heiratete die Töchter von Adeligen, Gorbryas, Otanes, seine eigene Nichte und die Töchter von Kurosh II, Kambyses II und Bariya. Dariushs Ehen sind sehr ungewöhnlicher Natur, was daran liegen könnte, dass Matrilineare Abstammungen zu dieser Zeit eine wichtige Rolle gespielt haben könnten und Dariush auf diese Weise alle königlichen Frauen heiratete, um Konkurrenten für seinen Thron und sein Geschlecht auszuschalten. In seinen Schriften behauptete Dariush, dass er vom Haus der Achaemeniden abstammt. Auch, wenn aus historischen Belegen so ein Anspruch nicht ausreichend fundiert ist, waren solche Art Eheschließungen Anlass genug, seinen Anspruch auf den Thron als gesichert zu betrachten, selbst wenn er kein direkter Nachfahre Kuroshs gewesen wäre.

Auch Scheidungen gab es zu jener Zeit, aber leider fehlen dazu Informationen über die Details und wie sie von Statten gingen. Amestris, eine Nichte Dariushs, ist diesbezüglich oft erwähnt worden. Sie war mit einem Mann, der Craterus hieß, verheiratet - doch er verließ sie schon bald nach der Eheschließung. Nach ihrer Scheidung heiratete sie Dionysius, einen lokalen Herrscher. Sie hatten drei Kinder. Als er starb, wurde sie Herrscherin und regierte eine Weile als Königin - aber wurde leider von ihren Söhnen ermordet.

Wir haben nicht genügend Informationen über die Hochzeitszeremonien. Die einzige, explizite Aufzeichnung ist die Hochzeit zwischen Alexander mit der iranischen Prinzessin Stateira - einer der Töchter des besiegten König Dariush III in Susa. Entsprechend der Aussagen griechischer Historiker war die Hochzeitszeremonie eine traditionell Persische.

"Die Braut betrat den Raum und setzte sich neben dem Bräutigam. Er nahm ihre Hände und küsste sie. Beide aßen vom selben Teller vom gleichen Laib Brot, das mit einem Schwert in zwei Teile geschnitten wurde und tranken einwenig Wein. Nach dieser Zeremonie nahm der Ehemann die Brau mit nach Hause."


Eheverträge

Es gibt leider keine Quellen über die rechtlichen Seiten der Ehe zwischen Persern selbst, aber einige Aufzeichnungen über Ehen, die in Territorien vollzogen wurden, die den Achaemeniden im Laufe ihrer Eroberungen angehörten, wie z.B. aus Babylon, Ägypten usw. Diese darf man aber nur mit äußerster Vorsicht genießen, da es regionale Unterschiede gab, die dadurch zu Stande kamen, dass die Eroberungszüge der Perser damals nie mit Zwangsassimilierung einhergingen, sondern den eroberten Regionen die eigenen Riten und Praktiken weiterhin erlaubt wurden. Das zu erwähnen, ist wichtig, weil man sonst zu voreiligen oder gar falschen Schlüssen bezüglich der Ehen zwischen Persern kommen könnte.

Fünfundvierzig Eheverträge wurden allein in Babylon entdeckt. Diese Verträge fanden immer zwischen dem Ehemann und den Familienmitgliedern der Braut statt. Sie begannen mit dem Versprechen des Ehemannes, die Frau in die Ehe zu nehmen und der Braut und ihrer Familie materielle Geschenke zu machen. Sollte der Ehemann entscheiden, sich eine zweite Frau zu nehmen, muss er seiner ersten Ehefrau eine vertraglich festgelegte Summe an Geld überreichen. Sie darf, wenn sie will, dann zurück nach Hause. Die Mitgift der Frau kann Land, Haushaltsgeräte, Juwelen, Geld und Arbeiter / Sklaven beinhalten. Im Falle eines Ehebruches seitens der Frau, war die Strafe in Babylon zumindest der Tod. Die Verträge wurden von mehreren Zeugen versiegelt und wurden auch in den Verträgen namentlich genannt.


Erbrecht

Weitere Dokumente aus Babylon, Elam und Ägypten zeigen, dass Frauen Besitz hatten, den sie verkaufen und vermieten konnten - je nach Belieben. Nach dem Tod ihrer Ehemänner erbte ausschließlich die Witwe, sofern sie keine Kinder hatten. Eine Frau konnte nicht als Zeugin bei einem Vertragsentwurf auftreten, aber sie konnte in einem Vertrag eine Partei, ein Vertragspartner darstellen können und ihr eigenes Siegel besitzen. Wenn es in einer Ehe Kinder von zwei verschiedenen Frauen gegeben hat, haben die Kinder der ersten Ehefrau 2/3 des Erbanteiles geerbt und die anderen nur 1/3. Unklar ist jedoch, wie es damals gehandhabt wurde, wenn es mehr als zwei Ehefrauen mit Kindern gegeben hat. Wenn eine Frau kinderlos starb, wurde ihre Mitgift an den Haushalt ihres Vaters zurückgegeben.

Es soll Versuche von Dariush gegeben haben, die Regelung des Ehelebens rechtlich festzuhalten, aber es gab keinen einigenden Standard-Entwurf, da die eroberten Territorien ihre eigenen Gesetze und Riten hatten und wie oben genannt kaum Einmischungen seitens der zentralen Herrscher zu erwarten hatten. Zum Beispiel sind die jüdischen Kolonien oder Kolonien in Elephantine (Ägypten) ihren eigenen Gesetzen gefolgt. Ehemänner sind dort monogam geblieben - und familiäre Angelegenheiten wurden sehr spezifisch gehandhabt; in jüdischen Gerichten, die auf der eigenen Kultur und den eigenen rituellen Gewohnheiten basierten.

Von allen Territorien unter der achaemenidischen Herrschaft haben die ägyptischen Frauen die meisten Rechte und Privilegien in der Ehe genossen. Die Familien sind hauptsächlich monogamer Natur gewesen, auch wenn die Männer unter "bestimmten Umständen" auch andere Frauen heiraten durften oder Sex mit ihren Sklavinnen oder Haushaltsmädchen haben durften, was in der Region eine völlig normale Praxis war. Ehemänner durften ihre Ehefrauen nicht als Sicherheit für ihre Schulden pfänden, was in bestimmten Regionen damals möglich gewesen war (z.B. in Babylon). Ehefrauen hatten das Recht, ihr Vermögen nach der Hochzeit und nach der Scheidung zu behalten. Sie hatten zudem das Recht, ihr Eigentum auf Wunsch auf ihre Kinder zu übertragen und selbst eine Scheidung einzuleiten. Wenn es der Ehemann war, der eine Scheidung eingeleitet hat, dann hat er einen Teil seines Vermögens an die Ehefrau übergeben müssen. Ging die Scheidung von der Frau aus, musste sie den Brautpreis an den Ehemann zurückgeben und hat keinen Anspruch auf das Vermögen des Mannes gehabt. Söhne und Töchter haben den selben Erbanteil erhalten, ohne bezüglich ihres Geschlechtes im Vor- oder Nachteil zu sein. Die Macht des Vaters über die Kinder jedoch war groß, und im Notfall war er dazu bemächtigt, die Kinder als Sicherheit für Schulden zu pfänden.

Jedoch wiederhole ich erneut: Es muss bedacht werden, dass diese Beispiele aus den nicht-persischen Teilen des achaemenidischen Territoriums sich nicht bedenkenlos auf persische Familien und Ehen projizieren lassen. Das oben genannte Beispiel bezieht sich auf den ägyptischen Teil des achaemenidischen Imperiums.


imgDie Verschleierung der Frau

Die Texte weisen nicht darauf hin, dass es eine Verschleierung zum Zwecke der "Verdeckung" der Frauen in jener Epoche gab, so wie es von den Griechen angedeutet wurde. Die Verschleierung hat eine lange Geschichte im antiken Mesopotamien und mediterranen Kulturen. In den ersten, bekannten Quellen bezüglich des Verschleierns findet man einen assyrischen Gesetzestext vom 13. Jahrhundert v. Chr., in dem verankert ist, dass die Verschleierung der Frau sich nur auf die "respektablen" Frauen beschränkt ist, jedoch für Frauen aus unteren Klassen oder bei Prostituierten verboten ist.

In Persepolis selbst existieren keine Beschreibungen über Frauen - aber es gibt viele Siegel, Statuen und Figuren, die eindeutig darauf hindeuten, dass es keine Einschränkung der Frauen gab. Auf einigen dieser Figuren, Statuen und Siegel werden Frauen komplett bekleidet und teilweise verschleiert dargestellt - auf anderen wiederum tragen sie Trachten und Kronen, aber keinerlei Verschleierungen. Wahrscheinlich haben adelige Frauen in der Öffentlichkeit Schleier als Statussymbol getragen, der ihren höheren Rang bezeichnete. Aber die Verschleierung diente hier nicht als Maßnahme zur Unterdrückung weiblicher Attribute oder Isolationsmaßnahmen vor den Augen der Männer, so wie es nach der islamischen Eroberung der Fall war.

Wir können zusammenfassend sagen, dass aus diesen diversen Dokumenten eindeutig hervorgeht, dass Frauen - ob nun adelige oder gewöhnliche - ihre eigenen Besitztümer hatten und in der Verwaltung ihres Vermögens nicht nur involviert waren, sondern diese auch absolut eigenständig gewährleisteten. Sie nahmen an den wirtschaftlichen Aktionen ihrer Länder und anderen Bereichen (Arbeiter, Löhne etc.) aktiv teil, hatten Arbeitsmöglichkeiten oder auch die Möglichkeit, selber Arbeiter-Gruppen zu leiten, was letztendlich zur finanziellen Unabhängigkeit der Frau führen konnte, wenn denn der Wunsch nach Unabhängigkeit bestand. Das patriarchalische System überwog zwar und die Ehemänner genossen einige Privilegien und standen ihren Ehefrauen im Vorteil, aber dennoch kann belegt werden, dass Frauen im antiken Iran keine isolierte "Spezies" darstellte, die hinter hohen Mauern lebten und keine andere Funktion hatten, als die Kinder groß zu ziehen und den Haushalt zu führen. Dieses Schicksal ist den iranischen Frauen nach dem Zusammenbruch des sassanidischen Reiches durch die Invasion der muslimischen Araber leider nicht erspart geblieben und ist es heute noch nicht.





© Sherry / INN
Quelle: The Circle Of Ancient Iranian Studies
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Veröffentlicht:
Samstag, 22.03.2008 , 13:27 Uhr
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