
Nach den antisemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad oder bei den Hasstiraden, die radikal-islamistische palästinensische Organisationen gegen Israel loslassen denkt kaum einer noch an die Möglichkeit, dass Juden in muslimischen Ländern in Frieden leben können. Heute sind es lange nicht mehr so viele Juden wie noch vor 50 oder 100 Jahren, aber es gibt immer noch hebräisches Leben und Kultur in muslimischen Ländern. Im jüdischen Kasino von Tanger scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Gutgekleidete Damen und Herren, die meisten rauchend, sitzen an mit grünem Filz belegten Tischen und spielen Karten. Mehrere Kronleuchter geben dem großen Saal eine exklusive Atmosphäre.
Wem nicht nach Kartenspiel zu Mute ist, sitzt an der Bar und lässt sich einen Aperitif oder einfach nur ein Bier servieren. Eine Abendgesellschaft im Club, wie sie vor 50 oder 60 Jahren noch zum guten Lebensstil gehörte. "Früher war es hier jeden Abend voll", erzählt eine Dame im kurzärmligen, rosa Seidenkleid. "Heute sind es noch wenige Alte, die regelmäßig kommen." Man sei eben nur mehr eine kleine Gemeinschaft von etwa 150, erklärt die Dame und fügt betont "Hebräer" hinzu. Als Jude will hier niemand bezeichnet werden, das habe einen negativen Beigeschmack.
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