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Berlin 08:50 - Tehran 10:20 - Los Angeles 23:50 Montag, 12.05.2008
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JASMIN TIEFENSEE
„Woman“ leider verboten – oder wie man die 50% der Menschheit aus dem Netz streichen kann
imgWohin das Auge blickt prangern einem in Teheran auf riesigen Plakatwänden die vielen verschiedenen Netzanbieter für das Internet entgegen. Jede Firma übertrifft die andere in Schnelligkeit, einfacher Anwendung und dem Preis. Internetcafes sprießen immer noch wie Pilze aus dem Boden und die Zahl der Internetnutzung im Iran steigt stetig. Die Weblog-Szene des Irans ist eine der angesagtesten und vielen jungen Menschen näher als die eigene Familie. Man kennt sich aus dem Netz, man redet, diskutiert, tauscht sich aus, liebt sich, streitet sich, Freundschaften entstehen, Trennungen erfolgen online und nicht wenige Ehen sind daraus entstanden. Allerdings geht das nur, wenn der eigene Blog nicht gefiltert wird. Auf viele dieser Blogs kann man aus dem Iran nicht zugreifen. Die Regierung filtert diese Seiten, so dass man sich die Seiten vom Ausland aus zwar ansehen kann, offiziell aus dem Iran aber keinen Zugriff auf die Seiten hat.

Offiziell allerdings, denn es Iraner sind bekannt dafür, immer Wege und Möglichkeiten für jede Hürde zu finden. Es sitzen also junge Menschen im Iran an ihren PCs und schreiben über ihr Leben im Iran und im eigenen Land darf dies nicht gelesen werden.

Außer den Internetseiten die Regierungskritisch sind und außer Sexseiten werden aber auch noch andere Internetseiten gefiltert. So werden alle Seiten die irgendwie mit Frauen in Verbindung gebracht werden können, gefiltert. Begriffe wie "woman", "brust" oder "vagina", können aus dem Iran aus nicht aufgerufen werden. Will sich eine Frau über irgendetwas mit Frauen informieren, stößt sie leider auf einen Filter, will sich eine Frau über Brustkrebs informieren, stößt sie leider auf einen Filter, will sich eine Frau über Vaginalkrankheiten informieren, diese Liste kann man immer weiter fortsetzen. Nur einige wenige wie zum Beispiel die medizinische Fakultät der Universität verfügen über einen Internetzugang mit dem sie sich auch Seiten mit den oben genannten Begriffen anschauen dürfen. Allerdings ist es schwer einen solchen Zugang zu erhalten, man muß einen schriftlichen Antrag bei den Behörden stellen und einen triftigen Grund angeben können. Als privat Person ist dies aber nicht erlaubt, nur Universitätsfakultäten oder Abteilungern einer Behörde oder vergleichbare Institutionen haben diese Möglichkeit.

Nun kommt man auf die Frage wie es sein kann, dass Frauen so gefährlich sind, dass man sie aus dem Netz streichen muss? Dieser Frage sind auch eine Gruppe von Studenten vor einiger Zeit nachgegangen. Sie haben sich an die Behörden gewendet und sie gefragt, warum die Hälfte der Menschheit aus dem Netz gefiltert wird. Die Behörden haben die Studenten von Behörde zu Behörde und von Verantwortlichem zu Verantwortlichem geschickt. Nachdem diese Prozedur einige Monate gedauert hat und die Studenten auch mehrmals schriftlich nachgefragt haben und um Antwort gebeten haben, wurde ihnen ein Gespräch mit einem Verantwortlichen angeboten. Dort sind ihnen aber keine Antworten gegeben worden, nur einige schwammige Aussagen, so wie: "Wir kümmern uns um das Problem" und " Es wird Veränderungen geben". Bleibt nur zu fragen, was genau dies heißt und ob sich wirklich jemand daran hält.

Es gibt aber wirklich Veränderungen die auffallen, noch vor zwei Jahren waren die meisten Begriffe auf Englisch gefiltert, aber auf Deutsch konnte man sie aufrufen, sofern sie nicht gleichlautend wie die Englischen sind. Mittlerweile sind aber auch die meisten deutschen Seiten gefiltert.

Zudem waren früher komplette Seiten gefiltert, nun ist das System modernisiert aber noch nicht perfektioniert worden. So kann man bei Spiegel Online die Hauptseite einsehen und alle Artikel aufrufen, bis auf die Rubrik Panorama. Auch die Internetseite der Frauenzeitschrift Cosmopolitan kann komplett eingesehen werden, nur die Rubrik Sex und Liebe ist gesperrt. Die Internetseite von Christian Dior allerdings ist komplett gesperrt, Haute Couture und luxeriöses Make-Up scheinen eine große Gefahr für die innere Sicherheit zu sein, gäbe es ansonsten einen Grund sie zu sperren? Auf die Homepage der New York Times kann zugegriffen werden und alle Artikel können gelesen werden, aber der Kölner Stadt Anzeiger war eine Zeitlang gefiltert. Die Homepage kann aber nun wieder eingesehen werden.

Interessanterweise können die Filter auch von Netzanbieter zu Netzanbieter variieren, so kann man bei einem Netzanbieter nicht auf Amazon zugreifen, wobei man bei Ebay aber gerne mitbieten kann. Bei allen anderen Anbietern ist Amazon aber nicht gesperrt. Davon abgesehen, dass Amazon sowieso nicht in den Iran liefert und selbst wenn sie es tun würden, besitzen die wenigsten Iraner eine Kreditkarte um damit zahlen zu können. Dies liegt nicht etwa daran, dass Iraner hinter dem Mond leben, nein, man kann zwar nicht in allen, aber schon in einigen Geschäften mit Kreditkarte bezahlen. Es liegt auch nicht daran, dass Iraner keine Kreditkarten haben möchten, aber kein Kreditkarteninstitut vergibt Kreditkarten an Iraner mit Wohnsitz im Iran. Die wenigen die eine Karte besitzen haben einen zweiten Wohnsitz im Ausland und haben dort eine Karte bekommen.

Ein wichtiges Thema in der Blogger-Szene ist daher, welcher Filterblocker der beste ist. Die Islamische Republik Iran gibt Unsummen für Filter aus, damit „unsittliche“ oder von der Ideologie der IRI abweichende Seiten für die Benutzer gesperrt werden, und die iranische Jugend hat einige Stunden später Filterblocker hergestellt, mit denen man sich auf ausländische Server einwählt und sich so auf die gesperrten Seiten zutritt verschafft.

Mir gefällt der Filterblocker der auf einen chinesischen Server zugreift, man wird automatisch auf die chinesische Google Seite geleitet. Von dort aus kann man dann über den Suchbegriff auf jede Internetseite zugreifen. Ich finde es ziemlich bizarr, dass man über einen Server der in einem Land steht, welches jeden Tag Menschenrechtsverletzungen ausübt, auch wenn die Amerikanische Regierung anderer Meinung ist, die Filter eines anderen Landes austrickst. Seitdem die Unruhen in Tibet ausgebrochen sind, habe ich viel darüber nachgedacht, ob wohl die Menschen dort auch auf einen Server aus einem anderen Land, zum Beispiel aus dem Iran zugreifen um an Informationen aus ihrem eigenen Land zu kommen.



© Jasmin Tiefensee
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Veröffentlicht:
Dienstag, 25.03.2008 , 08:15 Uhr
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