Ein Spiel dauert 90 Minuten? Manchmal nicht. Manchmal dauert es auch 90 Tage. Oder noch länger. Je nachdem, wer der Gegner ist.
Im Frühjahr des Jahres 2005 beschließt Marlene Assmann, Linksverteidigerin beim Berliner Verbandsligisten BSV AL-Dersimspor, den Iran herauszufordern. Ist ganz einfach, denkt Assmann. Man fliegt nach Teheran, man macht einen Termin mit der iranischen Frauen-Nationalmannschaft, man trifft sich, man kickt, man fliegt wieder nach Hause. "Kann sein", sagt die Verteidigerin, "dass das ein bisschen naiv war". Ja, kann sein.
Marlene Assmann ist eine sehr zarte, sehr blasse Frau von 26 Jahren mit blonden, nackenlangen Haaren. Wenn man sie etwas fragt, denkt sie lange nach, als suche sie nach der einzig gültigen Antwort. Wenn sie dann redet, muss man genau aufpassen, weil sich die leisen Worte sonst zu schnell verflüchtigen. Es fällt schwer sich vorzustellen, wie sie Gegnerinnen abgrätscht. Noch schwerer fällt es zu glauben, dass sie gegen Irans Mullahs punkten könnte. Sie ist eine, die man unterschätzt.
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