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Berlin 11:19 - Tehran 12:49 - Los Angeles 02:19 Donnerstag, 28.08.2008
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DIE VERSTAATLICHUNG DES ERDöLS
Iran zwischen Ghavam und Dr. Mossadeq
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"Im Jahre 1947 begab ich mich nach Azarbaijan. Überall in der Provinz und bei der Rückkehr nach Teheran wurde ich begeistert empfangen. Der Freudentaumel steigerte sich manchmal bis zur Raserei, und die Treue und Anhänglichkeit der Bevölkerung ist mir unvergesslich. Wenn ich heute daran denke, krampft sich mir das Herz zusammen." Shah 1979.

Am 29. Januar 1942 unterzeichnete der Iran mit den Engländer und den Russen ein Dreimächteabkommen, das Iran Souveränität und Unabhängigkeit garantierte und das im Artikel V folgendes bestimmte: "Die Alliierten Streitkräfte müssen spätestens 6 Monate nach Beendigung der Feindseligkeiten mit den Achsenmächten das Land verlassen haben."

Während die Amerikaner wenigstens ihre Truppen gemäß dem Dreimächteabkommen abzogen, blieben die Russen und Engländer im Iran. Die Sowjetunion erstrebte eine Eingliederung Irans u. a. wegen seiner Erdölvorräte. Dementsprechend wurde eine Autonomiebewegung in Azarbaijan durch die Rote Armee unterstützt. Im Jahre 1945 hatte zuvor der Leiter der Foreign Office, Bevin, und sein amerikanischer Außenminister Byrnes Stalin in Moskau vorgeschlagen, Azarbaijan, Kurdistan und Chuzistan zu autonomen Provinzen zu erklären. Stalin war geneigt, diesen Vorschlag anzunehmen. Doch erlaubte sich Molotow, darauf hinzuweisen, dass Iran ganz von selbst in die sowjetische Einflusssphäre geraten würde, wenn man der Zeit ihren Lauf ließe. Die iranischen Kommunisten würden ihre Sache schon richtig machen - und schließlich würde die Sowjetunion das ganze Land bekommen, anstatt bloß die anderthalb Provinzen. Jedoch gelangen den imperialen Streitkräften, die Zerschlagung der Rebellen in Azarbaijan und ihrem Anführer Pischewari, der dann mit seinen Genossen über die Grenze nach Russland flüchtete. Die Ordnung wurde wiederhergestellt, und die allgemeinen Wahlen wurden vorbereitet.

Was die politische Lage anging, so wurde unter dem Einfluss der Russen eine ihnen nahe stehende Partei, die Tudeh Partei, gegründet, die seither nicht aufgehört hat, sei es offen oder heimlich, auf den Zerfall des Staates unter der Pahlavi Dynastie hinzuarbeiten. Dementsprechend unterstützten die Engländer ihre eigene Partei: Die Nationale Front.

Nachdem Iran seine Existenz vorerst erfolgreich verteidigt hatte, musste das Land aufgebaut werden. Zuvor hatte Ministerpräsident Ghavam mit Russland einen Vertrag über die Erdölkonzession geschlossen. Eine sowjetisch-iranische Erdölgesellschaft (51%-49%) sollte geschaffen werden. Die Russen wollten die gleiche Position wie die Engländer im Süden entsprechend der Anglo-Iranian-Oil Company. Jedoch musste der Vertrag vor der Ratifizierung vom Parlament unterzeichnet werden. Ein Gesetzesentwurf wurde diskutiert und mit 109 zu 27 Stimmen angenommen. Der Führer der Opposition war Dr. Mossadeq.


Das neue Gesetz beinhaltete folgende Punkte:

1. Alle vorausgegangenen Verhandlungen zu Erteilung einer Erdölkonzession werden als nichtig erklärt.

2. Die iranische Regierung ist nicht ermächtigt, einer ausländischen Macht eine Konzession zu erteilen.

3. Mit der Anglo-Iranian Oil Co. sind zwecks besserer Gewinnverteilung neue Verhandlungen aufzunehmen.

4. Im Fall von Neuentdeckung neuer Vorkommen, wäre die iranische Regierung bereit, mit der Sowjetunion über Verkauf von Erdöl zu verhandeln.

Das neue Gesetz führte fast zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit den Russen. Unterdessen begannen die Amerikaner, Iran mit leichten Waffen zu beliefern. Kurz danach wurde auf den Shah ein Attentat ausgeübt. Der Schütze war Fakhr Araϊ. Aus einer Entfernung von zwei Metern zielte er auf den Schah und feuerte fünf Schüsse ab. Die ersten drei Kugeln streiften nur die Kopfhaut, die vierte Kugel durchschlug die Unterlippe und den Backenknochen, die fünfte Kugel traf das Schlüsselbein. Durch den kaiserlichen Leibwächter wurde Fakhr Araϊ zuerst am Bein und dann von zwei Kugeln an Bauch und Hüfte getroffen. Er starb unmittelbar nach dem Attentat. Der Attentäter solidarisierte mit der Tudeh Partei. Der Shah wurde nunmehr zur Zielscheibe und zum Sündenbock.

Im Februar 1950 gab der Shah anlässlich einer Thronrede bekannt, eine neue Verfassung einführen zu wollen. Nämlich die aus dem Jahre 1905. Der Grund dafür war der, dass die Parlamentarier generell während der Wahl ihre Sitzungen fortsetzten, wodurch sie automatisch wiedergewählt wurden. Solch ein System nennt man Oligarchie. Doch man weigerte sich, der neuen Verfassung zuzustimmen, denn die Wahlen gingen folgendermaßen: Am Morgen erschien der englische Botschafter und übergab dem Premierminister eine Liste von 80 Kandidaten und am Nachmittag kam der sowjetische Gesandte mit 12 Namen.

Der Shah wandte sich an den Nationalisten Dr. Mossadeq und ersuchte ihm eine neue Regierung zu bilden, die fähig sein sollte, das Wahlsystem zu reformieren. Daraufhin antwortet dieser, dass er es unter drei Bedingungen sehr gerne tun würde:


1. Wenn die Engländer damit einverstanden sein würden

2. Wenn der Shah ihm jeden Morgen eine Audienz gewähren und ihm Direktiven geben würde

3. Der Shah müsse ihm eine Leibwache zuteilen.



Der Shah erwiderte ihm, dass er nicht die geringste Absicht hätte, die Engländer um ihre Zustimmung zu bitten, aber man dann wohl auch die Russen fragen müsse. "Im Iran geht nichts ohne die Zustimmung der Engländer. Die Russen zählen nicht.", gab Dr. Mossadeq zur Antwort. Tatsache ist, dass der Hofminister zu den Engländern ging und General Yazdan-Panah, ein ehemaliger Kosak, zu den Russen. Diese erteilten ihre Zustimmung. Die Engländer lehnten aber ab und warnten zugleich den Minister: "Der Shah spielt mit seinem Thron!" Daraufhin lehnte Dr. Mossadeq ab, als Premierminister eine neue Regierung zu bilden.

Die Engländer konnten nicht laut genug die Vorzüge der Demokratie anpreisen, aber betrachteten es als völlig selbstverständlich, dass im Iran die Wahlen nach den von ihnen aufgezwungenen Vorschriften abliefen.

Nach dem Siebenjahres Plan, ausgearbeitet (worden) von Overseas Consultants Inc., war das Ziel, war das Ziel, die iranische Wirtschaft zu entwickeln. Vor allem sollte mit der Unterstützung der Bauern, die Modernisierung der Landwirtschaft, die Förderung und Raffinierung des Erdöls die Grundlage einer stabilen Wirtschaft geschaffen werden. Das Budget von 656 Mio USD wurde folgendermaßen aufgeteilt:

• Für die allg. Verbesserung der sozialen Zustände 28,6%
• Landwirtschaft 25%
• Verkehrswesen 23,7
• Industrie und Bergbau 14,3 %
• Anlagen und Erdölförderung 4,8 %
• Nachrichtenwesen 3,6 %

Medizinische Betreuung und Bildung bzw. Erziehung hatten in diesem Plan Vorrang. Jede Provinz sollte ein Spital mit 500 bis 700 Betten erhalten, und die staatliche Gesundheitspflege wurde eingeführt. 5000 Schulen, 150 Gymnasien, 26 Fachschulen bzw. technische Zentren waren geplant. Drei neue Universitäten sollten errichtet werden und jährlich sollten 1 Mio. Kinder und 175.000 Erwachsene das Lesen und das Schreiben lernen. Der Plan sah vor, in der Landwirtschaft die Mechanisierung einzuführen und Kanäle, Staudämme, Elektrizitätswerke zu bauen. Im Bereich der Industrie fokussierte man sich auf die Metallurgie, der Zementproduktion und Ziegelherstellung sowie der Textilindustrie, der chemischen Produkte und die Ausbeutung der Bodenschätze.

Außerdem sollte die Armee und die Polizei verstärkt werden. Im Süden mussten die Clans entwaffnet werden, wo jedes Mitglied sein eigenes Gewehr besaß. Zivilgesetzbuch, Strafgesetzbuch und die Gerichtsbarkeit sollten erneuert werden. Die Verwaltung war zu reformieren, insbesondere mussten die Clans durch eine straffe Administration im Zaun gehalten werden.

Die Verhandlungen mit der Anglo Iranian Oil Co. führten unter der Regierung Saed und seinen Nachfolger Herrn Mansur zu keinem Erfolg. 1949 wurde General Razmara, der Leiter des Generalstabs, zum Premierminister ernannt. Er war schon während des Feldzugs in Azarbaijan Leiter des Generalstabs und hatte erfolgreich die Rebellen entwaffnet. Er nahm die Verhandlung auf. Die Engländer zogen jedoch die Verhandlungen in die Länge. Daraufhin wurde "Die Verstaatlichung des Erdöls" vom Jahr 1951 der Slogan der Nationalen Front. Der Shah unterstützte eine solche Maßnahme, obwohl die Mittel der Nationalen Front ziemlich fragwürdig waren und sie generell keine ausgearbeiteten Konzepte hatten. Plötzlich fanden heftige Demonstrationen gegen den Regierungschef statt. Die Propaganda wurde immer giftiger und am 7. März wurde General Ali Razmara ermordet.

Von allen Seiten wurde nun Dr. Mossadeq als Premierminister vorgeschlagen. Der Shah hatte schon mal 1941 zu seinen Gunsten interveniert, als sein Vater, Reza Shah, ihn hatte einsperren lassen. Der Shah stimmte zu, beschloss aber insgeheim, ihn an die Kandare zu nehmen. Als Dr. Mossadeq am 28. April 1951 zum Premierminister ernannte wurde, war er 73 Jahre alt. Er war ein reicher Großgrundbesitzer, der endlich die absolute Macht erreicht zu haben glaubte. Nach seiner Ernennung wurde er vom Shah empfangen, welcher ihm zur Vorsicht und Mäßigung riet. Er sagte ihm: "Der Weg zu unserer wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit scheint voller Fallen und Schlingen zu sein, und wir müssen ihn deshalb ganz vorsichtig und langsam gehen."

Aber gleichzeitig war die merkwürdige Widersprüchlichkeit im Charakter der Führer der Nationalen Front sehr auffällig. Man handelte anders, als man redete. Konnte also derselbe Mann, der sieben Jahre vorher behauptet hatte, dass sich im Iran ohne die Engländer nichts machen ließe, es dieses Mal ohne die Engländer machen wollen? Die Frage ist es wert, gestellt zu werden. Auch an anderen Orten hat die englische Diplomatie oft augenscheinliche Gegner an die Macht gebracht, die sie in der Hand hatte oder zumindest glaubte, sie in der Hand zu haben. Gewiss, er war ein leidenschaftlicher Patriot, aber man könnte meinen, er war ein Vertrauter der Engländer. Das geht u.a. aus den Dokumenten hervor, die Herr Sardar Fakhr veröffentlichte. Ebenso aus der diplomatischen Korrespondenz zwischen dem ehemaligen englischen Botschafter in Teheran und dem britischen Konsul in Shiraz, die in den Archiven des Foreign Office aufbewahrt werden.

Wie soll man nun einen Politiker und Redekünstler beurteilen, dessen Widersprüchlichkeit sein Lebenselement war, der so redete, aber anders handelte, dauernd seine Haltung wechselte, aus der Überspanntheit in schwere Depressionen verfiel, öffentlich weinte, Krankheiten simulierte? Manche haben ihn mit Robespierre verglichen, andere wieder mit Rienzi.

Am 30. April 1951, zwei Tage nach seiner Ernennung, beschloss das Parlament auf seinen Antrag hin die Verstaatlichung des Erdöls. Da der Shah auch ein Befürworter dieser Maßnahme war, unterzeichnete er das Gesetz sofort, bestand aber drauf, dass unverzüglich ein neuer Vertrag mit den Engländern ausgehandelt werden müsse. Und genau das unterließ Mossadeq!

Zwei Jahre lang weigerte er sich, verblendet vom doppelten Irrtum, dass die Welt ohne das iranische Öl nicht leben kann, aber Iran sein Erdöl sehr wohl ohne fremde Hilfe verkaufen könne, den Vorschlägen von Stocke und Harriman, dem Entscheid des Schiedsgerichts in Den Haag, dem Rat Churchills, Präsident Trumans, der Weltbank und Präsident Eisenhowers das geringste Gehör zu schenken. Er entfernte sich genau so weit weg von seiner Regelung zum Vorteil des Landes wie an dem Tag, als das Parlament das Gesetz zur Verstaatlichung verabschiedete. Er wich allen Möglichkeiten einer Einigung aus. Die neuen Gegner blieben jedoch nicht untätig. Sofort nach der Verstaatlichung schloss die Anglo-Iranian Oil Co. die Türen und stellte nicht nur die Zahlung an die Regierung ein, sondern verhinderte auch den Verkauf des Erdöls. Zwar war die neue Gesellschaft NIOC National Iranian Oil Company im Besitze von ungeheuren Mengen an Erdöl, aber es fehlten sowohl die Möglichkeiten zum Transport als auch die zum Verkauf. Der Fall wurde vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag vorgetragen - und wider Erwartung stimmte der britische Richter zugunsten Irans, während sich der Sowjetische erstaunlicherweise gar nicht erst blicken ließ.

Zwei Monate nach der Investitur Dr. Mossadeqs lag der englische Kreuzer Mauritius vor Abadan, britische Truppen wurden entlang der Grenze des Irak aufgestellt und britische Fallschirmjäger landeten auf Zypern.

"Sie müssen wissen", sagte der Shah zum Botschafter Großbritanniens, "dass ich an der Spitze meiner Soldaten stehen werde, wenn Ihr Land es wagt, den Iran anzugreifen."

Seit der Verstaatlichung jedoch hatte der Iran kein Erdöl mehr verkauft, kein Vertrag war in Sicht, der Siebenjahrsplan wurde gestoppt und die Engländer verfügten nicht nur weiter über das Erdöl, sondern bezahlten dafür auch nichts mehr. Iran saß auf seinem Erdöl und konnte es nicht mehr verkaufen, während die Engländer sich ungeniert in Irak und vor allem in Kuwait eindeckten, wo sie das Erdöl billiger bekamen. 9 Cent statt 13 Cent!

So kam es, dass Dr. Mossadeq, an allen Fronten geschlagen, jedoch von seinem Gefolge aufgestachelt, den Shah darum bat, ihm das Kriegsministerium zu überlassen. Nach der Ablehnung des Shahs erklärte er seinen Rücktritt und verlor sogar die Unterstützung bei seinen eigenen Leuten. Die parlamentarische Mehrheit drängte dem Shah nunmehr auf, Ghavem Soltaneh zum Premierminister zu ernennen, der sich gegen die Verstaatlichung des Erdöls ausspricht, obwohl der Shah selbst lieber Alayar Saleh, einen Parteigänger der Nationalen Front, bevorzugte.

Die Bevölkerung reagierte mit einem Aufstand - und da der Shah sich weigerte, den Schießbefehl zu geben, setzte er Dr. Mossadeq wieder ein. Ohne Zweifel hatte er jetzt begriffen, dass das Land auf den Abgrund zuraste. Doch es war zu Spät. Opfer seines Irrtums, blieb er von nun an Gefangener seiner Verbündeten von links und rechts. Er, der ehemals glühende Verfechter der Verfassung, der parlamentarischen Regierung und der Legalität, setzte den Senat ab, löste den Obersten Gerichtshof auf, unterbrach die Wahl der gesetzgebenden Versammlung, so dass von 132 Deputierten nur 80 gewählt wurden und verlangte daraufhin die Aufhebung nun auch dieser Versammlung, von der einige Mitglieder gewagt haben, sie zu kritisieren - und kündigte schließlich ein Referendum über die Frage an, ob das Parlament aufgelöst werden solle. Da die Abstimmung nicht geheim war, hatte er wieder die Kontrolle. Die Presse wurde durch das Proklamieren des Kriegsrechts beschränkt. Plötzlich fiel ihm auf, dass die Staatskassen leer sind. Er gab den Befehl, Banknoten zu drucken, für die keine Deckung bestand. Er hatte dieselbe Politik gegen den Shah praktiziert wie während des Krieges der englische General Frazer und hatte sich zum Kriegsminister ernannt, um die Macht des Shahs als Oberkommandierender des Heeres zu neutralisieren.

Während dessen kontrollierten die Engländer das Erdöl. Sie bedienten sich, ohne einen Cent zu bezahlen. Man profitierte gleich doppelt. Und alles lief auf das Gegenteil von Mossadeqs Prophezeihung hinaus: „Alle Leiden und die wirtschaftlichen Rückschritte musste man erdulden, damit man Iran von der britischen Herrschaft über das eigene Erdöl befreien kann!“

War Dr. Mossadeq ein iranischer Patriot? Fest steht, dass er durch die Verstaatlichung des Erdöls einen Schritt unternommen hatte, für den der Shah nicht den Mut aufbrachte. Trotzdem konnte er weder das Erdöl fördern noch es verkaufen. Wahrscheinlich wurde Dr. Mossadeq dann von seinen eigenen britischen Freunden im Parlament fallen gelassen, als ein Vertrag mit dem internationalen Erdölkartell auch ohne ihn möglich erschien.

Nunmehr suchte der Shah den Kontakt zu seinem Freund Kermit Roosevelt, dem Geheimagenten der CIA und bat, dass die Vereinigten Staaten den Druck auf die Engländer erhöhen und eine gemeinsame Politik betreiben sollen. Gleichzeitig hatte der Shah insgeheim schon mit Enrico Mattei, Manager der italienischen Erdölgesellschaft AGIP bzw. ENI, einen wichtigen Durchbruch erzielt, wodurch eine neue Ära der Erdöl exportierenden Länder zu den internationalen Erdölgesellschaften eingeleitet wurde.

Enrico Mattei schloss sich im zweiten Weltkrieg der Resistenza an und wurde ein bekannter Partisan und Chef der katholischen Widerstandsbewegung in Italien. Der Comitato di Liberazione Nazionale stellte ihn 1945 an die Spitze von AGIP, die von den Nazis gegründet worden war.

1949 gab Mattei plötzlich bekannt: Der Untergrund von Norditalien sei reich an Erdöl- und Methanvorkommen; Italien könne alle seine Energiebedürfnisse durch den Gebrauch seiner eigenen Ressourcen befriedigen. Der Börsenwert stieg. Jedoch war in Norditalien (der Region Cortemaggiore in der Poebene) eine bestimmte Menge Methan mit einer geringen Menge Erdöl gefunden worden. AGIP holte sich dennoch eine exklusive Konzession für die Ölprospektierung innerhalb des nationalen Territoriums und der damit verbundenen Gewinne. Generell unterstützten ihn die Linken und die Konservativen - bzw. die Industriellen wetterten gegen ihn. So kommentierte Mattei sein Beziehung in Bezug auf den Movimento sociale italiano (MSI), der Nachkriegsfaschistenpartei: „Ich benutzte sie wie ein Taxi: Ich stieg ein, bezahlte für die Reise und stieg aus.“

1953 wurde die Ente Nazionale Idrocarburi, besser bekannt als ENI, durch Gesetz geschaffen, in der AGIP als Marke des Tankstellennetzes aufging. Mattei war Gründungspräsident, Administrator und Generaldirektor in einem. Die Parallelen zu Pierre Guillaumat und seinem Aufbau der Elf Aquitaine in Frankreich sind sehr auffällig.

Mattei analysierte sehr scharf den internationalen Erdölmarkt: „Eine kleine Katze trat ein, als einige große Hunde sich über einen Teller Fressen hermachten. Die Hunde griffen sie an und verbellten sie. Wir, die Italiener, sind wie die kleine Katze und auf dem Teller befindet sich Erdöl für alle, aber jemand will uns nicht an den Teller lassen.“

Um das Oligopol der großen Ölgesellschaften zu brechen, ging Mattei mit dem Shah einen wichtigen Deal ein: Man gründete die Irano-Italian-Oil Company. Und die Iraner behielten sodann nicht mehr 25% sondern 75% der Gewinne! Als ENI 1957 bereits im Wettbewerb mit Giganten wie Esso oder Shell stand, finanzierte er im Geheimen die algerischen Unabhängigkeitskämpfer gegen das koloniale Frankreich. Er schmiedete Verträge mit Tunesien und Marokko, denen er 50:50 Partnerschaften zur Ausbeutung ihres Öls anbot, zu deutlich anderen Bedingungen als die Konzessionen, die normalerweise von den großen Erdölgesellschaften angeboten wurden.

Schließlich erklärte Mattei nach der Unterzeichnung einer Vereinbarung mit der Sowjetunion 1960 das amerikanische Erdölmonopol für beendet! Kurze Zeit später verstarb er bei einem Flugzeugabsturz!

Somit hatte der Shah eine Einigung zum Vorteil Irans geschaffen, wo Dr. Mossadeq versagt hatte. „Wenig später traf ich das gleiche Arrangement mit Standard Oil in Indiana. Das halbe-halbe Prinzip war durchbrochen. Das Groß Öl verzieh mir nie. 1959, zwei Jahre nach dem ENI-Vertrag, wurden die ersten Studentendemonstrationen gegen mich allerorten in den USA in Szene gesetzt. Ich hatte schon damals den Verdacht, dass das Groß Öl die Demonstrationen finanzierte und dass die CIA bei ihrer Organisation die Hände mit ihm Spiel hatte. Ich weiß, dass klingt widersprüchlich. Denn diese beiden mächtigen Organisationen hatten auch meine Regierungen unterstützt. Jetzt glaube ich, dass der Westen eine Front gegen mich organisierte, deren er sich immer dann bedienen konnte, wenn meine Politik von der seinen abwich. Ich hätte dies auch schon vor 20 Jahren früher glauben sollen, als mir mein Premierminister, Sharif Emami, mitteilte, dass die USA hinter der studentischen Agitation, im Iran und außerhalb, steckte und dass sie noch auf andere Weise für Schwierigkeiten sorgte.“, schrieb der Shah in seinen Memoranden kurz vor seinem Tod.

Am 13. August beauftragte der Shah schließlich General Nematollah Nassiri, Kommandant der Kaiserlichen Garde, Dr. Mossadeq die Amtsentsetzungsurkunde zu bringen und General Zahedi, einen ehemaligen Anhänger Mossadeqs, der fürchtete verhaftet zu werden, den Befehl, eine neue Regierung zu bilden.

Dr. Mossadeq unternahm aber einen Staatsstreich. Anführer des Putsches war General Riahi, der eine blutige Schlappe erlitt, was ihn aber nicht hinderte, später unter dem Shah im Baugeschäft ein immenses Vermögen zu erwirtschaften.

Am 19. August stellten sich Arbeiter, Handwerker, Studenten, Ärzte, Rechtsanwälte, Soldaten, Polizisten, Frauen und Jugendliche den Maschinengewehre und Panzerwagen der Regierung Dr. Mossadeqs entgegen. Ein Warnschuss auf sein Haus, gefeuert von der Armee, die dem Shah und der Verfassung treu geblieben war, beendete dann den Putschversuch.

"Seine Mutter stammte von den Qadscharen ab, vielleicht hat er deshalb unsere Dynastie gehasst. Ich kann es nicht sagen. Ich wusste bloß, dass er ziemlich sicher zum Tode verurteilt werden würde: Schließlich hatte er ja Hochverrat begangen. Ich bedeutete dem Gericht, ihm die gegen mich gerichteten Handlungen nicht zu Last zu legen.", vermerkte der Shah später.

Man stellte fest, dass zwischen 1951 und 1953 die Zahl der Anhänger der kommunistischen Partei Tudeh bei den Offizieren von 110 auf 640 angestiegen war. Aus Papieren, die bei der Tudeh-Partei gefunden wurden, ging hervor, dass die Kommunisten Dr. Mossadeq zuerst benutzen wollten, um den Shah zu stürzen. Danach sollte Mossadeq zwei Wochen nach der Abreise vom Shah liquidiert werden. Sie hatten schon Briefmarken hergestellt für die Iranische Volksrepublik!

Schließlich beschuldigte die Tudeh Partei den Shah, er stünde im Dienste der Engländer und der Amerikaner. Die Partei verschwand dann vorläufig im Untergrund, da auch wenige Monate zuvor Stalin verstorben war und die sowjetische Politik bedeutsame Veränderungen erfuhr.

War Dr. Mossadeq vielleicht doch ein Zauberlehrling, der mit Hilfe von Geistern Wunder tun wollte und die Geister, die er rief, nicht mehr los wurde? Warum wurde er von seinen eigenen Leuten aus der National Front fallengelassen? Eine „Partei“, deren Schlüsselmitglieder über fragwürdige Kontakte zu England verfügten. Die National Front führte stets eine kontroverse Politik. Zu den Problemen des Landes hatte man keine Lösungen. Man versprach sich der Polemik und handelte stets anderes als man sagte.



© Spenta / Iran-Now Network



Quellen:

• Iran in the past three centuries, von Ali Reza Avasti
• Clandestine Service History, Dr. Donald N. Wilber
• Shah Memorien, Reza Shah Pahlavi, Originaltitel: "Réponse à l'Histoire
• Farhad Diba, Dr. Mohammad Mossadegh; A Political Biography
• The CIA and Iran: What Really Happened, von Ardeshir Zahedi (NY Times 2000)
• The spectre of Operation Ajax, veröffentlich in Guardian
• Kermit Roosevelt, Counter coup, New York, 1979
• Enrico Mattei, Wikipedia Englisch; Columbia Encyclopedia; State Within a State, July 1961 TIME
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Veröffentlicht:
Montag, 02.06.2008 , 03:24 Uhr
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