img
img
Info
img
x
img
img Ja img
img Nein img
img
img
img
img
Login
img
img img img
img
img
img EMail Adresse img
img
img
img
img Passwort img
img
img
img
img
img img img Immer automatisch einloggen
img
img
img img img
img
img Login img
img Abbrechen img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
Berlin 03:17 - Tehran 04:47 - Los Angeles 18:17 Freitag, 03.09.2010
img
JASMIN TIEFENSEE
Zwei Kulturen
An dem Tag, als ich von dem Buch "Nicht ohne meine Tochter" von Betty Mahmoudi gehört habe, konnte ich es kaum erwarten, es zu lesen. Gelesen habe ich es allerdings nicht, ich habe es verschlungen. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich während meiner Lektüre, überhaupt gegessen oder geschlafen habe, ich kann mich nur daran erinnern, dass ich die meiste Zeit geweint habe. Ich hatte damals keinerlei Vorstellung von dem Land Iran. Ich hatte auch keine Vorstellung davon, wie viele Unterschiede es zwischen Iraner und Deutschen gibt. Ich habe zwar auch iranische Wurzeln, doch ich lebte ein deutsches Leben, genoss eine deutsche Erziehung und hatte nur deutsche Freunde. Ich konnte noch nicht mal Farsi sprechen, so dass ich verständlicherweise auch viele Dinge nicht begreifen konnte. In meinem Bewusstsein war ich eine Deutsche. Ich stamme aus Köln und war ein typisch kölsches Mädel. Ich hatte keinerlei Bezug zum Iran, doch dieses Buch weckte eine Neugier in mir, die mein weiteres Leben mehr geprägt hat, als irgendetwas anderes. Ich fühlte mich mit den in dem Buch beschriebenen Frauen so verbunden, dass ich begann mich mit Ihnen zu beschäftigen. Zu der Zeit gab es sehr viele solcher Bücher, die ich alle genauso verschlungen habe, und so kam ich zu dem Schluss, dass alle iranischen Frauen Opfer und alle iranischen Männer Täter sein mussten.

Dadurch, dass wir kaum Kontakt zu Iranern in Deutschland hatten, hatte ich auch keine Vergleichsmöglichkeiten, aber ich hatte ja meine Familie. Ich verglich meine Familie mit den Familien, von denen ich gelesen hatte. Irgendwie stimmte dieses Bild nicht zusammen, so begann ich alles über den Iran zu lesen, dass ich in die Finger bekam. Zu dieser Zeit entdeckte ich meine bis heute andauernde Leidenschaft, Recherchieren. Neben dem normalen Schulstoff beschäftigte ich mich mit der Geschichte, der Kultur und der Religion des Irans und Deutschlands und verglich diese miteinander.

Ich genoss es so sehr mich weiterzubilden, neue Dinge zu erfahren und zu lesen, dass ich immer nur ein Buch in der Hand hatte, und komplett in meiner eigenen Welt versunken war. Aber je mehr ich las, desto verwirrter war ich. Alles was ich zu lesen bekam, waren Horrorgeschichten über den Iran, über den Islam, über die iranische Kultur, über Iraner. Ich verstand das alles nicht. Was ich las, hatte nichts mit meiner netten Familie zu tun, aber diese waren doch auch Iraner.

Mir war mir aber alles so fremd. Ich war gefangen zwischen zwei Kulturen, der deutschen mit der ich mich identifizierte und die ich liebte, der ich mich aber nicht komplett annehmen konnte, da ich ein Gefühl in mir hatte, welches ich aber nicht b beschreiben konnte. Irgendwie waren wir doch anders als die ganz normalen Deutschen. Gleichzeitig konnte ich der iranischen Kultur aber nichts abgewinnen, da sie mir einfach nicht gefiel.

Als ich anfing zu studieren, vergaß ich diese Gedanken alle, da ich in einer kleinen Studentenstadt zu studieren begann, wo es absolut keine Möglichkeiten gab, an den Iran zu denken. Ich war eine typische deutsche Studentin, hatte wie immer nur deutsche Freunde und arbeitete nebenbei noch in einer Urhessischen Kneipe. Nach einigen Jahren wechselte ich meinen Studienort und ich ging wieder ins Rheinland. Dort bekam ich durch Zufall Kontakt zu Studenten der Islamwissenschaft. Meine Freunde hatte soviel Ahnung von der Geschichte und der Kultur Irans, und konnten mir auf soviele meiner damaligen Fragen antworten geben, dass auch ich mich entschloss parallel zu meinem Studium noch Islamwissenschaften zu studieren. Im Fach Islamwissenschaften fand ich Kommilitonen mit denen ich diskutieren konnte und die meine Weltanschauung nachvollziehen konnte. Das erste Mal in meinem Leben fühlte ich mich wirklich verstanden. Zudem lernte ich Farsi und Arabisch was mir in meinen Studien sehr weiterhalf, da ich nun auch original Texte lesen konnte. Doch gerade das Studium der Islamwissenschaften machte mir bewusst, wie wenig ich noch über den Iran wusste, und so entschied ich mich ein Auslandssemester in Teheran zu verbringen. Ich dachte, dass mir dieser Aufenthalt viele Fragen beantworten würde, doch ich kehrte nur noch verwirrter zurück, als ich war. In den fünf Monaten die ich in Teheran verbrachte, war ich vom Pech verfolgt. Das Andere, das Fremde, überwältigte mich vollkommen und in Kombination mit schlechten Ereignissen, die mir widerfuhren, wurden mein gesamtes Weltbild und meine Pläne zunichte gemacht.

Iran war für mich einfach nur die Hölle auf Erden und die schlimmen Erlebnisse und Erfahrungen während meiner Zeit in Teheran erschütterten mich so sehr, dass ich mit einem Hass auf alle Iraner nach Deutschland zurückkehrte und alles Iranische an mir verleugnete. Das hielt natürlich nur einige Monate an, und während dieser Zeit fühlte ich mich ganz komisch, ich hatte einen Teil meiner Identität verloren. Mir fehlte etwas, es war als ob ich nicht mehr ich war.

Glücklicherweise beinhaltete mein Studium auch die Lektüre persischer Prosa und vor allem Saadi und Sadegh Hedayat eröffneten mir eine ganz neue Seite des Irans. Ich fand mich wieder und konnte nun auch begreifen, dass ich, so sehr ich mich auch dagegen zu wehren versuchte, immer sowohl eine Deutsche wie auch eine Iranerin sei. Ich verstand, dass ich nicht in zwei Kulturen gefangen war, sondern, dass ich das Glück hatte, in zwei sehr verschiedene Kulturen leben zu dürfen. Ich begriff, dass ich nicht eine ganze Kultur, ein ganzes Land, ein ganzes Volk, den Menschen von denen ich abstammte, verdammen konnte, nur weil mich einige von ihnen enttäuscht hatten. Ich akzeptierte den iranischen Teil meiner Identität und das erste Mal erkannte ich, dass ich sowohl meine deutsche Identität wie auch meine iranische Identität liebe und niemals aufgeben möchte. Ich glaube, dass Menschen, die zwischen zwei Kulturen groß geworden sind, entweder darin verloren gehen, oder die Vorteile sehr stark nutzen können.

Ich versuchte von nun an die Vorteile zu nutzen und lernte mich selber viel besser kennen.

Ich lernte mich selbst zu lieben, und zwar nicht trotz meiner zwei Kulturen, sondern gerade wegen meiner zwei Kulturen.

Dennoch hätte ich mir niemals vorstellen können Deutschland eines Tages verlassen zu können, für ein Praktikum, vielleicht, aber länger als einige Monate, das hätte ich nicht gedacht. Durch Zufall bin ich aber dennoch im Iran gelandet, eigentlich wollte ich nur zwei Monate hier bleiben und nun lebe ich seit über zwei Jahren im Iran.

Die Probleme nicht zu wissen wer ich bin, habe ich schon lange nicht mehr. Ich bin was ich bin, und manchmal bin ich typisch deutsch und manchmal typisch iranisch. Meist bin ich aber typisch ich.

In Deutschland hatte ich damit auch niemals ein Problem, im Gegenteil, ich wurde immer als etwas Besonderes angesehen, da ich mich zwischen zwei Kulturen bewegte.

Im Iran hatte ich auch niemals ein Problem. Auch hier, bin ich zwar anders als die meisten, aber nicht im negativen Sinne. Ich respektiere die iranische Kultur, und nun, da ich auch sehr viel darüber gelernt habe und nun auch zwei Jahre hier lebe, und vieles erlebt habe, begreife ich vieles auch viel besser.

Meist läuft das auch ganz gut, aber manchmal macht mich hier alles auch fertig. Manchmal ist es einfach too much Iran für mich, und dann muss ich wieder zurück nach Deutschland. Ich halte es dann auch keine Sekunde länger im Iran aus, aber spätestens wenn ich dann den Kölner Dom sehe, geht es mir wieder gut. Nach zwei Wochen Köln geht es mir dann aber wieder andersherum, wenn ich dann nicht innerhalb von einigen Tagen zurück nach Teheran komme, drehe ich durch. Früher konnte ich mich nicht zwischen zwei Kulturen entscheiden, jetzt habe ich aber ein viel kostspieleres Problem, Teheran – Köln ist nicht unbedingt sehr billig...

Der Iran ist natürlich nicht die Hölle auf Erden und natürlich sind nicht alle iranischen Frauen Opfer und alle iranischen Männer gewalttätige Verbrecher. Eigentlich ist alles genauso wie in Deutschland und doch ganz anders. Glücklicherweise ist das Andere aber so schön, dass ich gar nicht mehr hier weg will...

Von Jasmin Tiefensee aus Teheran
img
img
img img img
img
Veröffentlicht:
Montag, 17.11.2008 , 07:58 Uhr
img
img img img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
img
Statistik
img
215 User online
img
0 Mitglieder
img
215 Gäste
img
Letzte Stunde
img
0 Mitglieder
img
1555 Gäste
img
Letzte 24 Stunden
img
1 Mitglied
img
35978 Gäste
img
img
img
img
Inhalt © 2000-2006 Iran-Now Network | ElysianWorld Application Server © 2006 Sherry & Minah | ElysianNights Layout © 2006 Sherry & Minah
img