
Vor dem Auge der Zensur steht alles unter Verdacht; jede Metapher, jede Figur, jede Szene. Vor allem Romanszenen, in denen ein Bett vorkommt. Denn von diesem Möbelstück ist es womöglich bis zur Unzucht nicht weit. Deshalb muss das Bett nach dem Willen des Zensors aus dem Roman verschwinden und die Teheraner Studentin Sara mit ihrem Laptop auf einen Stuhl umziehen. Zwar darf sie sich eine Sonnenbrille der Marke Ray Ban kaufen. Dagegen hat der Zensor nichts. Aber der Gedanke des Brillenverkäufers, so »verführerische« Augen sollten eigentlich nicht hinter dunklen Gläsern verschwinden, passt dem Zensor nicht. Er streicht das Wort »verführerisch«. In einem Liebesroman, der in der Gegenwart Irans spielt, steht dieses Wort, egal in welchem Kontext es auftaucht, ob es Blumendüfte, Lebensmittel oder Frauenaugen beschreibt, auf der Alarmskala des zensorischen Verdachts weit oben.
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